Der erste Beamtenstreik in der Bundesrepublik ist vorerst abgewendet. Hochschullehrer der Bremer Universität wollten für drei Tage die Arbeit niederlegen, um damit den Wissenschaftssenator Horst-Werner Franke zu zwingen, 58 Assistenzprofessoren, deren Verträge in den nächsten Jahren auslaufen, in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse, möglichst als Professoren auf Lebenszeit, zu übernehmen. Senator Franke will aber nur zehn Assistenzprofessoren den begehrten Status geben.

Fast 90 Prozent der in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Hochschullehrer hatten am 5. Dezember für den Streik gestimmt. Der Arbeitskampf kann aber zunächst vermieden werden, weil sowohl Senator Franke als auch der GEW-Vorsitzende Erich Frister verhandlungswillig sind. Frister weiß: "Einen Erzwingungsstreik hält die GEW nicht durch." Franke wiederum will nicht in die Gefahr geraten, "eine Reihe von Disziplinarverfahren gegen Hochschullehrer" einleiten zu müssen. Der GEW-Vorstand beschloß, den Streik auszusetzen und am 8. Januar mit dem Bremer Wissenschaftssenator über dessen "Hilfsprogramm" zu verhandeln. Danach sollen etwa 40 der von der Entlassung bedrohten Assistenzprofessoren befristet weiterbeschäftigt werden, zum Beispiel mit Zeitverträgen, Forschungssemestern und Habilitationsstipendien. Zu diesen Übergangsregelungen mußte Franke dem Senat und einer murrenden SPD-Fraktion die Zustimmung abringen.

Für den GEW-Chef ist das Angebot freilich noch "unzureichend". Er verlangt die Übernahme aller in unbefristete Arbeitsverhältnisse, auch "wenn nicht alle Professor werden können". Damit räumt er immerhin ein, daß kein Anrecht auf eine Einstellung als beamteter Professor besteht. Um sein Ziel zu erreichen, scheute er sich auch nicht, mit dem Beamtenstreik zu drohen, den er "in bestimmten Situationen für notwendig hält". Die Wertung "zulässig" vermeidet er.

Die harte Gangart der GEW hat ihre Ursache in den schwindenden Berufschancen des wissenschaftlichen Nachwuchses. Vor etwa acht Jahren konnten noch drei Viertel der Assistenten damit rechnen, eine Professur zu erhalten, heute schafft es kaum noch jeder Zehnte. Das Durchschnittsalter der deutschen Professoren ist jünger als je zuvor. Durch Pensionierung werden also nur wenige Lehrstühle frei. Außerdem sind die Zeiten, in denen die Universitäten ihre Stellen für Hochschullehrer kräftig vermehren konnten, vorbei. Wem also jetzt der Sprung ins Beamten- oder Angestelltenverhältnis nicht mehr gelingt, wird meist den Wunsch auf eine Hochschulkarriere begraben müssen.

Doch der Senator kann nicht so freihändig entscheiden, wie das einige Hochschullehrer von ihm kategorisch verlangten. Ihm sind durch Gesetze und die Ebbe in Bremens Kassen die Hände gebunden. Nach dem Beamtenrecht der Hansestadt dürfen die Verträge der einst auf sechs Jahre eingestellten Assistenz-Professoren ohnehin nicht verlängert werden. Und bei den wissenschaftlichen Angestellten mit Lehraufgaben ist nur eine einmalige Verlängerung ihres Arbeitsverhältnisses um zwei Jahre möglich.

Die Bremer GEW und der Akademische Senat fordern aber: die 58 Wissenschaftler müssen an der Universität unbefristet weiterarbeiten können, weil dies "zur Konsolidierung der Universität zwingend erforderlich ist". Senator Franke hingegen bezweifelt, daß die Universität Schaden leidet, wenn nicht alle übernommen werden können. Er verweist auf die "relativ großzügige Personalausstattung" der Bremer Uni, mit einer Betreuungsrelation Hochschullehrer/Student von eins zu fünfzehn. Franke: "Damit ist in der Bundesrepublik eine Spitzenposition markiert."

Der Wissenschaftssenator kann die Maximalforderungen von GEW und Universität nicht erfüllen. Er würde sonst für den wissenschaftlichen Nachwuchs der nächsten Studentenjahrgänge alle Stellen blockieren und er müßte in Zukunft jeden Antrag auf Übernahme in ein Beamtenverhältnis genehmigen. Der Personaletat der Universität stiege ins Unermeßliche.

Unabhängig von den rechtlichen Problemen eines Beamtenstreiks wäre sein Ziel, unbefristete Arbeitsverhältnisse oder gar eine Professur auf Lebenszeit zu erreichen, unsozial – gegenüber den vielen Arbeitnehmern, die von solchen Lebenszeit-Verträgen ihr Leben lang nur träumen können. Claus Voland