Beachtlich

"Tag der Entscheidung" von John Milius. Eine kalifornische Chronik aus den Jahren 1962 bis 1974. In vier Kapiteln erzählt Milius die Entwicklung von drei jungen Surfern, braungebrannten Strandkönigen, die, langsam lernen müssen, sich mit der amerikanischen Realität jenseits ihrer von einem strengen Moral-Code beherrschten Subkultur-Welt abzufinden. Milius, 1946 in Malibu geboren und vor seiner steilen Karriere als Drehbuchautor ("Jeremiah Johnson") und Regisseur ("Der Wind und der Löwe") selber ein begeisterter Surfer, berauscht sich in manchmal schwer erträglicher Hemingway-Pose an den Männlichkeits-Ritualen der Wellenreiter, zeigt aber zugleich deren Brüchigkeit angesichts privater und politischer Veränderungen: Der Prozeß des Erwachsenwerdens und der Krieg in Vietnam markieren gleichermaßen den Verlust der Unschuld, auch wenn sich die drei Hauptfiguren am sagenumwobenen "großen Mittwoch" ("Big Wednesday" heißt der Film im Original) noch einmal zu einem elementaren athletischen Abenteuer auf den riesigen Pazifikwellen treffen. Die Faszination dieser letzten Sequenz läßt viele Schwächen und Unebenheiten eines Films vergessen, dessen von archaischen Begriffen und pubertären Träumen besessener Regisseur sich auf eindrucksvolle Weise weigert, erwachsen zu werden. Hans C. Blumenberg

"Die Wiege des Satans" von Larry Cohen. Eine "Larco"-Produktion (Autor, Regie, Produzent: Larry Cohen) – was vielleicht zu einem Markenzeichen werden könnte, wie bei den britischen "Hammer"-Filmen der sechziger Jahre. "It Lives Again" ist die Fortsetzung seines erfolgreichen Horrorfilms "It’s Alive/Die Wiege des Bösen" (1974), der siebente Film dieses unabhängigen Einzelgängers, der in den USA bei manchen Fans und Kritikern schon den Status eines Kultregisseurs erlangt hat. Ein Horrorfilm der Subspezies "Schreckliche Kinder". Doch das kindliche Monster ist hier – anders als etwa in "Rosemaries Baby", "Der Exorzist" oder "Das Omen" – nicht vom Satan gezeugt oder die apokalyptische Erfüllung archaischer Prophezeiungen. Es erscheint vielmehr als fast alltägliches Produkt (und somit auch als Spiegelbild) der repressiven "Normalität" einer amerikanischen Familie der Mittelklasse. Der Film sieht dabei die absolute "Andersheit" dieses Sprößlings durchaus ambivalent – worauf auch sein subtil-verstörender Schockeffekt beruht. In einer der frappierendsten Szenen des Films, (einer der eindringlichsten dieses Genres überhaupt) gruppieren sich die Eltern zum Schutze des verfolgten Kindes zu einer neuen "heiligen Familie", deren Zusammenhalt dennoch zerbrochen wird. Und bezeichnenderweise sind die Namen der beiden auch noch existierenden "Monsterbabys" Adam und Eva. Die Traditionen des amerikanischen Horrorfilms (von "Frankenstein" bis "Die Vögel"), werden hier nicht variationsreich ausgeschlachtet; sondern in subversiver "Umdrehung" neu formuliert. Ein Klassiker des Genres. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"Ausgeflippt" von Richard Benner. "Der Teufel möglicherweise" von Robert Bresson. "Höhenkoller" von Mel Brooks. "Dieses obskure Objekt der Siegierde" von Luis Buñuel. "In einem Jahr mit 13 Monden" von Rainer Werner Fassbinder. "Was heißt’n hier Liebe" von Walter Herrich, Claus Strigel, Bertram Verhaag. "Molière" von Ariane Mnouchkine. "Rheingold" von Niklaus Schilling. "Padre Padrone" von Paolo und Vittorio Taviani. "Girl-Friends" von Claudia Weill.