Der höchste deutsche Militär – ein Himmelfahrtskommando?

"Das preußische Heerwesen ist eine kollektive Individualität von sehr starker Erregbarkeit. Dies ist die Wurzel seiner Tugenden und Fehler."

(Oberstleutnant Hartmann, 1858)

Der Zapfenstreich, jenes ernste, ans deutsche Herz rührende Zeichen, wurde im Dreißigjährigen Krieg in Wallensteins Lager als musikalisches Signal eingeführt, um dem Zechgelage der Soldaten "Einhalt zu thun".

Am Montag dieser Woche wurde ein Großer Zapfenstreich zu Bonn dem scheidenden Generalinspekteur Harald Wust geschlagen: Traditionelles, erhebendes Ende einer gleichwohl seltsamen Generals-Affäre? Nicht weit entfernt vom ehemaligen Generalinspekteur und seinem zivilen Vorgesetzten, Minister Hans Apel, stand der Nachfolger Jürgen Brandt in der Abenddämmerung. Doch hinter ihnen, unten in der Hauptstadt zu Füßen der Hardthöhe, suchten manche Abgeordnete, Militärs und Journalisten immer noch eine Antwort auf das philosophische und zeitgeschichtliche Rätsel, das der sozialdemokratische Minister der Verteidigung aufgestellt hatte, als er am 7. Dezember dem Parlament ein Stichwort zur "Affäre Wust" zurief: "Wir sind alle zusammen schuldig."

Harald Wust zum Beispiel fühlt sich nicht schuldig.

Dieser Mann ist in Wirklichkeit von der Affäre, die seinen Namen trägt, zutiefst getroffen. Er hofft, daß sein Nachfolger "die Arbeitsvoraussetzungen findet, die der Minister mir nicht zugebilligt hat".