Der volkswirtschaftlich so wichtigen Hinwendung zum Markenartikel", so schrieb im Jahre 1921 Edwin Redslob, Reichskunstwart in der Weimarer Republik, "entspricht hierbei die Notwendigkeit, alle Markenartikel durch Warenzeichen zu kennzeichnen, die sich leicht einprägen. Hierfür bietet das Reemtsma-Warenzeieben eines der besten Beispiele, die mir bisher bekannt geworden sind."

Das junge Unternehmen, die Cigarettenfabrik B. Reemtsma k. Söhne in Erfurt, hatte um ein Gutachten des Reichskunstwartes gebeten. Denn das Warenzeichen, für das sich das Unternehmen Reemtsma neun Jahre nach seiner Gründung in einem Wettbewerb entschieden hatte, war in der Öffentlichkeit höchst umstritten. Es wurde als zu modern-abstrahiert und als revolutionär empfunden.

In der Tat hat der stilisierte Schiffsschnabel eines Wikingerbootes, der seither Weltaufgeschlossenheit und Zähigkeit" des Hauses Reemtsma symbolisieren soll und auch die Packungen seiner Marken ziert, eine so einfache und klare Linienführung, daß es bis heute kaum verändert werden mußte.

Die Geschichte des Zigarettenunternehmens, das bis heute Familienunternehmen geblieben ist, begann in Erfurt im Jahre 1910. Damals übernahm Bernhard Reemtsma, der schon von 1890 bis 1894 in der Cigarettenfabrik Riecher & Co in Osterholz-Scharmbeck und von 1884 bis 1908 Inhaber einer Zigarettenfabrik mit Tabakwarengroßhandel in Blankenburg am Harz gewesen ist, die Erfurter Cigarettenfabrik Dixi, Damals freilich war die Fabrik noch ein Manufakturbetrieb, denn die Zigaretten wurden noch von Hand hergestellt.

Die Söhne Hermann F. sowie Philipp F. traten 1914 beziehungsweise 1916 in den väterlichen Betrieb ein – ans der Firma wurde 1917 die B. Reemtsma & Söhne. 1918 wurde die erste Zigarettenmaschine aufgestellt. Ihre Tagesproduktion betrug 100 000 Zigaretten (heute; 3,2 Millionen pro Maschine).

Für den Wettbewerb zur Erlangung eines Warenzeichens, der ein Jahr später ausgeschrieben wurde, lud das Unternehmen die damals bekannten Graphiker und Plakatkünstler Julius Gipkens, Ivo Puhonny, Louis Oppenheim und Wilhelm Deffke ein! Den ersten Preis erhielt Deffke, der in Berlin ein Entwurfatelier unterhielt und sich vor allem mit "Handelsmarken und Fabrikzeichen" befaßte. Er übernahm zudem die (gesamte Ausstattung der Werbung des Hauses. Der Schiffsschnabel des Wikingerbootes sollte der altfriesischen Abstammung der Familie Rechnung tragen.

Die ersten Marken des Unternehmens hießen Haus Reemtsma und Reemtsma-Gold. 1921 kamen die Marken R 6 und Gelbe Sorte auf den Markt, die noch heute, wenn auch als veränderte Zigarettenprodukte, am Markt sind.