DIE ZEIT

Alles für die Partei

Attentätern flicht die Nachwelt selten Kränze. Streng scheidet sie Tyrannenmörder von Geistesverwirrten und Auftragskillern.

Böller aus München

Franz Josef Strauß ist mit einem unvergleichlichen Gespür für leicht faßbare Politik gesegnet – oder sollte man besser sagen: geschlagen? Während die Union sich redlich und umständlich mit sogenannten Sachfragen abplagt, also Zum Beispiel sich müht, am Schnellen Brüter von Kalkar den langsamen Entscheidungsgang der Sozial-Liberalen zu demonstrieren oder bei der Koalition der Behandlung der Extremisten radikale Fahrlässigkeit nachzuweisen, findet der bayerische Ministerpräsident den direkten Weg zum Bürger.

Gulag ist fast überall

Der 30. Jahrestag der Unterzeichnung der Menschenrechtsdeklaration ist kein Anlaß zum Feiern – so der lapidare Kommentar der Gefangenenhilfsorganisation amnesty international, die es wissen muß.

Das Quartett von Guadeloupe

Wie alljährlich ist auch der Dezember 1978 vollgestopft mit internationalen Entscheidungen, die weit in die Zukunft hineinreichen.

Worte der Woche

"Nachdem Franz Josef Strauß offensichtlich seinen Gedanken an eine vierte Partei begraben hat, wird die Union mit einem Tandem antreten, bei dem Strauß am Lenker und hinter ihm entweder Biedenkopf oder Dregger im Sattel sitzen werden.

Konsequent "Nein" zu Kalkar

Ihm ist nicht daran gelegen, dennoch kann es Burkhard Hirsch gelegentlich passieren, daß er plötzlich ganz allem steht, einer gegen alle.

Zeitspiegel

Obwohl das Buch erst im Frühjahr erscheinen wird, haben seine Verleger bereits jetzt Geheimstufe Nummer eins angeordnet. Niemand Soll vorzeitig erfahren, was Margaret Trudeau, die sich von ihrem Mann, dem kanadischen Premierminister getrennt hat, in ihren delikaten Erinnerungen mitteilen will.

Paket zu, Paket auf

Selbst Parteifreunde wie der weitsichtige Verteidigungsminister Ezer Weizman hatten Menachem Begin davon abgeraten, nach Oslo zur Verleihung des Friedensnobelpreises zu reisen – einmal, weil sich der ägyptische Staatschef Anwar el Sadat, der Kontrahent und Kompagnon, geweigert hatte, vor Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit Israel sich auf diese Weise auszeichnen zu lassen, dann wegen des unsicheren Ausgangs der Vertragsverhandlungen selber, die zu einer ernsten Verstimmung zwischen Jerusalem und Washington geführt haben.

Fünf einsame Norweger und der Friedenspreis

Salem aleikum, Shalom, Friede sei mit Euch: Bei zwölf Grad minus in der Sonne und der blumenreichen Friedenslyrik von Menachem Begin und Sadats Gesandten Syed Marei im Ohr fanden die Osloer am vorigen Sonntag wieder einmal die unerfreuliche Wahrheit des Wortes von Preisstifter Alfred Nobel bestätigt: "Ich bin ein Menschenfeind, aber außerordentlich gutmutig.

Waffenträger der Allianz

Am Horizont der atlantischen Allianz zeichnen sich große und kontroverse Entscheidungen über die Modernisierung der nuklearen Bewaffnung in Europa und über die weiteren Rüstungskontroll-Verhandlungen mit der Sowjetunion ab.

Europa mit der Seele suchend

Die vielen Definitionen des Begriffs Politik hat Herbert Wehner am Wochenende um eine holzschnittartige Umschreibung vermehrt.

Nervenkrieg in Teheran

Auch Jimmy Carter ist ratlos. "Ich weiß es nicht", sagte er resignierend zu den Reportern, die ihn nach den Überlebenschancen des Schah gefragt hatten, "Ich hoffe, daß er es schafft.

Der Kreml hält sich zurück

Die Evakuierung westlicher Familien aus Teheran schildert die sowjetische Nachrichtenagentur Tass wie den Abzug der Amerikaner aus Vietnam.

Der Zukunft verpflichtet

Eine apokalyptische Vision hatte die Richter befallen: Das hochgiftige, unzerstörbare Produkt aus den ersten "Schnellen Brütern" würde fortzeugend Böses gebären; in unaufhaltsamer Selbstvermehrung würde es uns zum Bau immer neuer Kraftwerke zwingen.

Angst vor Abweichlern

Große Worte sind wieder in Bonn zu hören: "Handlungsfähigkeit der Regierung", "Kanzlermehrheit", "Koalitionstreue". Der noch unvollendete Prototyp des Schnellen Brüters im niederrheinischen Kalkar brütet schon Unwillen und Mißvergnügen aus, und zwar in erster Linie bei der FDP-Fraktion.

Spaniens Schonzeit ist vorbei

Nach der Annahme der neuen Verfassung durch das spanische Volk ist die innenpolitische Schonzeit des "Consenso" vorbei: Premier Suarez muß sich überlegen, wie er die Vertrauensfrage im Parlament überstehen will.

SPD: Extremisten auf kleiner Flamme

Der Parteivorstand der SPD hat am vergangenen Wochenende einen Beschluß zur "Extremistenfrage" gefaßt. Er soll einen neuen Konflikt mit, dem Bundesverfassungsgericht vermeiden und zugleich der Schnüffelei der Verfassungsschutzämter Einhalt gebieten.

Feind hört mit

Achtung: Mithörgefahr!" wird auf einer der ersten Seiten des soeben veröffentlichten Telefonbuches für das Bundeshaus 1979 gewarnt.

Trauer um Golda – Israels alte Dame

Sie wurde auch von denen, die ihr kritisch gegenüberstanden, meist nur beim Vornamen genannt – so, als verbürge er Qualität und Autorität genug: Golda Meïr, die große alte Dame Israels, die als Achtzigjährige an einer Blutkrankheit gestorben ist.

Bonn glänzt im Glaspalast

Im Herbst 1978 stand die Bundesrepublik mehr denn je im Rampenlicht der Vereinten Nationen. Botschafter Rüdiger von Wechmar war eine beherrschende Figur am East River – ob im Sicherheitsrat, in der Vollversammlung oder ihren Hauptausschüssen, ob als Vertreter Bonns, als Sprecher der neun EG-Staaten oder schließlich im Dezember als Präsident des Sicherheitsrats.

Wolfgang Ebert: Peking-Enten

Viele Wandzeitungsleser in Peking können es zur Zeit morgens kaum erwarten, bis sie vor der Wand mit ihrem Leib- und Magenblatt stehen, um das Allerneueste von den Führungskämpfen in der Partei zu erfahren.

Klimpern in der Grube

Für Münchens Sozialdemokraten sollten die Vorweihnachtswochen spaßig werden. "Wer weiß den besten Kiesl-Witz?" fragten sie vorletzte Woche zum Auftakt eines Wettbewerbs in ihrer "Rathauspost", mit dem das Andenken an den gar nicht so lustigen Einstand des CSU-Oberbürgermeisters Erich Kiesl wachgehalten werden soll.

Chaos auf dem Campus

Dagmar hatte Glück. Die 20jährige Münchnerin will Sprachen studieren und fand einen Studienplatz – in Saarbrücken. An der Universität des Saarlandes besteht nämlich kein Numerus clausus für die Fachrichtung Dolmetschen und Übersetzen, im Gegensatz zu den beiden anderen Ausbildungsstätten in der Bundesrepublik, Mainz-Germersheim und Heidelberg.

Schläge am Samstag

Wer am vergangenen Samstag auf Hamburgs beliebtester Einkaufsstraße, der Mönckebergstraße, von stürmenden Polizistenscharen in schwarzem Leder oder grünem Parka, mit Schildern und Schlagstöcken gerüstet, nicht über den Haufen gerannt werden oder gar Prügel beziehen wollte, der mußte schon mal seine Beine in die Hand nehmen und ins nächste Kaufhaus flüchten.

Kein Dienst in Liebe

Renate Schipke, 36 Jahre alt, steht "seit eh und je" in Polizeidiensten. In Treue zu ihrer Dienststelle liefert sie nach Aussage ihres Anwalts das Schulbeispiel einer zuverlässigen, pflichtbewußten, untadeligen Kriminalmeisterin, Auch ihre Dienstvorgesetzten und Kollegen kennen sie als eine vernünftige, clevere, durchweg rationale Person, die ihr Handwerk beherrscht.

Fragen aus der Küche

Fast fünfzig Seiten mußten diesmal durchgesehen, einhundert Fragen dabei beantwortet werden. Eberhard F. kam schlecht voran.

Emanzipation: Eine Frau für das Unaussprechliche

Vom 1. Januar 1979 an wird der Hamburger Senat eine "Leitstelle für die Verwirklichung der Gleichstellung der Frau" haben. Und die "Leiterin der Leitstelle für die Verwirklichung der Gleichstellung der Frau" wird Eva Rühmkorf sein, 43 Jahre alt, Diplompsychologin und zuvor Chefin der Jugendstrafanstalt Vierlande.

Als Judenkind in Deutschland

Der Titel, der gleich den zeitgeschichtlichen Kern der Sache trifft, bedarf wohl einer Erläuterung für Leser, die unser Drittes Reich nicht erlebt haben.

Witze im Dritten Reich: Zum Tot-Lachen

Ein SS-Mann sagt zu einem Juden im KZ: ‚Du sollst heute umgebracht werden, aber ich gebe dir eine Chance. Ich habe ein Glasauge; wenn du erkennst, welches, dann schenke ich dir dein Leben.

Die Geister, die sie riefen...

Wenn irgend jemand ein Mittel erfinden würde, um die eine oder andere Idee – beispielsweise die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche – im Gedächtnis der Menschen zu löschen, so würde er vermutlich in Eugen Loderer und einigen seiner Kollegen an der Spitze der IG Metall dankbare Abnehmer dafür finden.

Die Lichter strahlen - heller denn je

Einige fanden es sogar komisch: Just in dem Augenblick, in dem das Verfassungsgericht in Karlsruhe zum langersehnten Urteilsspruch kam und grünes Licht für den Weiterbau des Schnellen Brüters in Kalkar gab, gerieten die Regierungsfraktionen in eine Krise.

Bonner Kulisse

Schon das zahlenmäßige Ergebnis einer Streichaktion, mit der fünf Mitglieder des Bundestag-Haushaltsausschusses an die zusätzlichen Personalanforderungen der Bundesregierung herangegangen sind, läßt aufhorchen: 942 Stellen, deren Neubesetzung die Bundesregierung für wichtig hält, werden aus doch nicht eingerichtet – das ist mehr als ein Drittel der von der Regierung angeforderten 2430 Positionen.

Flucht aus der Verantwortung

Vor dem Hintergrund des Stahlarbeiterstreiks und der sonst geübten Praxis bei Tarifverhandlungen mutete es sehen gespenstisch an, wie Arbeitgeber und Gewerkschaft ten in Karlsruhe über das Funktionieren der Tarifautonomie stritten.

EUGEN LODERER:: "...das wäre schon attraktiv"

Loderer: Der Einstieg in die 35-Stunden-Woche ist eine stahltypische Sache. Da müßte man also die Stahlarbeiter fragen. In der Stahlindustrie haben wir eine erhebliche Arbeitsplatzvernichtung, die wir durch die Verkürzung der Wochenarbeitszeit wenigstens bremsen, am liebsten sogar stoppen wollen.

Lieber mehr Urlaub

Im Auftrag der ZEIT ermittelte das Institut für Demoskopie in Allensbach in einer repräsentativen Blitzumfrage im Bundesgebiet und West-Berlin, was der Gesamtbevölkerung, Gewerkschaftsmitgliedern und nicht organisierten Arbeitnehmern wichtiger ist: mehr Urlaub oder kürzere Wochenarbeitszeit (ZEIT Nr.

Angst vor dem Nadelöhr

Als ich gerade die ersten Schritte in Richtung auf mein Auto zu getan habe, werde ich zurückgerufen. Ich muß eine Teelieferung bestaunen, die Mitglieder der Gewerkschaft ÖTV gerade zur Aufmunterung der streikenden Kollegen bei den Mannesmannröhren-Werken in Mülheim herangekarrt haben.

Die Angst vor den Öl-Multis

Die Väter des Veba/BP-Vertrages sind auf Tauchstation. Vor der in der nächsten Woche zu erwartenden Stellungnahme der Monopolkommission schweigen alle Beteiligten.

Ärger mit dem Beitrag

Der Exodus begann Ende Oktober. Seitdem verlor die größte und mächtigste deutsche Gewerkschaft, die IG Metall, allein beim Volkswagenwerk mindestens tausend Mitglieder.

Der Ritt in die roten Zahlen

Die BMW-Motorräder sind ins Gerede gekommen, zumindest in der eigenen Branche. Als vor gut einem Monat der Geschäftsführer der vor einigen Jahren aus der Muttergesellschaft ausgegliederten BMW Motorrad GmbH, der 41jährige Rudolf Graf von der Schulenburg, nach zwölf BMW-Jahren unerwartet seinen Abschied nahm, da "rätselte man in meinen Weggang", so der Graf, "eine Menge hinein": Das Fan-Magazin Motorrad schrieb gar: "Weil Schulenburg bei BMW nicht für den Einmarsch in die Motorrad-Moderne mobil machen konnte, hat er quittiert", was allerdings dem Betroffenen "allzuviel der Phantasie" dünkt.

Im Zeichen der Wikinger

Der volkswirtschaftlich so wichtigen Hinwendung zum Markenartikel", so schrieb im Jahre 1921 Edwin Redslob, Reichskunstwart in der Weimarer Republik, "entspricht hierbei die Notwendigkeit, alle Markenartikel durch Warenzeichen zu kennzeichnen, die sich leicht einprägen.

Was ging schief in Brüssel?

Die Italiener werden dem Europäischen Währungssystem beitreten. Ob auch die Iren teilnehmen werden, ist zur Stunde noch ungewiß.

Sprecher der Ärmsten

Pflichtgemäß versuchte Oppositionsführerin Margaret Thatcher, Kapital aus dem begrenzten Mißerfolg von Brüssel zu schlagen, wo die Regierungschefs der Gemeinschaft zwar das europäische Währungssystem beschlossen haben, Großbritannien aber zunächst draußenbleibt.

Manager und Märkte

Die MAN Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg hat noch einmal Glück gehabt. Weil ihr Aufsichtsrat dem geplanten Einstieg beim amerikanischen Nutzfahrzeughersteller White Motors noch nicht, wie erforderlich zugestimmt hat, kann noch mal neu verhandelt werden.

"Kein Innovationsmuffel"

von Sanden: Ich kenne den "Einzelkämpfer" Ulrich Jochimsen seit Ende der 60er Jahre. Da wir uns stets um die Zusammenarbeit mit kritischen Leuten bemühen, haben wir dies auch ihm angeboten.

‚,Im Namen Allahs"

Unruhe unter Vertretern deutscher Firmen im Iran löste folgender Brief aus, der ihnen anonym zugestellt wurde: "Im Namen Allahs an Ausländer, deren Regierungen auf die eine oder andere Weise das Regime des Schah unterstützen.

Devisen-Seller

Nach den Turbulenzen in den letzten Monaten scheint nun wieder Ruhe an den Devisenmärkten eingetreten zu sein. Seit Tagen haben sich die wichtigsten Devisenkurse nicht Wesentlich – verändert.

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