Nicht alle Bände der generell lobenswerten Reihe der "DuMont Kunst-Reiseführer" sehen ihr Aufgabenfeld eng auf die Kunstdenkmäler der vorgestellten Region eingegrenzt. Bisweilen liegt ein stärkerer Akzent auf allgemeinen Handreichungen für den Reisenden, und das durchaus nicht immer zum Nachteil der Kunst. Der jetzt erschienene Band

Willehad Paul Eckert: Der Niederrhein. 318 Seiten. DuMont Buchverlag, Köln. 24,80 Mark

gehört zur ersten Kategorie.

Der an Architektur und schönen Künsten interessierte Niederrhein-Besucher könnte sich, gemessen an der knappen Form, wohl kein instruktiveres Werk wünschen. Die farbigen und schwarzweißen Photographien und viele Grundrißzeichnungen ergänzen die auch für Laien verständlichen Erläuterungen der Kunstwerke vorzüglich.

Zu kurz kommen bei alledem aber der behäbige Reiz der niederrheinischen Landschaft und die Art seiner Bewohner. Die in der Reihe üblichen gelben Seiten mit praktischen Reisehinweisen können diesen Anspruch nicht ausfüllen. Zeitgenössisches findet nicht statt. So sind etwa der Ortschaft Kalkar fünfzehn Seiten gewidmet. Der Leser erfährt dort zwar, daß im Frühjahr 1978 der erste Abschnitt einer Wiederherstellung des "Beginenhofs" vollendet wurde, auf das Atomkraftwerk an gleicher Stelle, das seit Monaten Öffentlichkeit und Politik in Atem hält, geht der Verfasser aber mit keiner Silbe ein.

Jene Passagen des Buches, die sich nicht auf Historie und Kunst des Landes beziehen, wirken etwas lieblos verfaßt. Das verwundert um so mehr, wenn man liest, daß der Autor ein in Köln gebürtiger Dominikaner ist. Und wer die Geistlichkeit am Niederrhein kennt, der weiß, daß die Mehrzahl der Männer im Dienste des Herrn ihr pralles Land und ihre sinnenfrohen Mitbürger durchaus widerspiegeln.

Nützlich sind hingegen die ausführliche Zeittafel in der hinteren Umschlagklappe sowie das zehnseitige Namens- und Ortsregister. Fazit: Ein gelungener Führer für Kunstreisende in einer selten geschilderten Landschaft. K. V.