Krefeld "David Rabinowitsch"

"Die Kamera gleitet an diesen Skulpturen ab; ihre Bilder wirken unbeholfen", stellt Gerhard Storck im Katalog fest Ebenso schwer sind die Arbeiten des in New York lebenden Kanadiers David Rabinowitsch mit Worten zu fassen. "Bei Werken dieser Art", meint der 35jährige Bildhauer, "geht es vor allem um die sichtbaren Dinge." Zu sehen, wahrzunehmen, zu erfahren sind sie jetzt in den Räumen des Museums Haus Lange: schwere Stahlskulpturen, die flach auf dem Boden lagern, sich nicht nur verbalen und photographischen Festlegungen entziehen, wechselnde Ein- und Ansichten ermöglichen. Beim Rundgang etwa um die Arbeiten der Werkgruppe "Metrische (Romanische) Konstruktionen" ändern sich die Formen, Proportionen, Beziehungen der verschieden großen Skulpturteile mit dem Standort des Betrachters – was als durchaus reizvoll und spannend erfahren werden: kann. Die These, daß Skulpturen wie die von David Rabinowitsch in der Lage sind; "unser Wahrnehmungsvermögen, das weitgehend von einem funktionierenden Raum/Masse/Klang-Empfinden abhängt, durch klar strukturierte Sehvorgänge wachzurufen", ist mir nach den Erfahrungen mit den dann doch zu unklaren Objekten allerdings um einiges zu weit gegriffen. Wie auch die Feststellung, Rabinowitsch bringe mit den in seine Stahlplatten gebohrten Löchern unter anderem "Licht in die ,Tiefe‘", real nur schwer nachzuvollziehen ist: "Tiefe" fehlt den flachen Skulpturen, an denen der Blick so leicht abgleitet und deren Verzicht auf Festlegungen nicht nur eine Qualität ist So können weder die Skulpturen noch die Zeichnungen den Eindruck von Unentschiedenheit, Beliebigkeit verhindern. Im entsprechenden Feld der Interpretationen und Spekulationen ist dann auch mit Erklärungen wenig geklärt "Jedes Wort hat im Umgang mit der Kunst einen Sinn", heißt es am Ende des Katalogs, "wenn es auf die Sache selbst zuführt. Die Sache selbst, die fertiggebrachte Skulptur, ist etwas ganz anderes." Nach Ausstellungsbesuch und Kataloglektüre wird dann auch nicht zuletzt eines deutlich: die Diskrepanz zwischen Realität und dem von ihr entworfenen Bild. (Museum Haus Lange bis 31. Dezember, Katalog 8 Mark.) Raimund Hoghe

München: "Pierre Alechinsky – Vieux Papiers"

Aquarelle aus dem Jahr 1977/1978 von Alechinsky, dem Belgier, dem neben dem Holländer Karel Appel und dem Dänen Asger Jörn wichtigsten Mitglied der "Cobra"-Gruppe, die sich 1949 unter den vereinigten Anfangsbuchstaben der Herkunftsstädte der Künstler (Copenhagen, Brüssel, Amsterdam) zusammentat. "Cobra": das ist eine nordisch expressive, formbewegte und farbintensive Kunst Sie nährt sich aus der Mythologie gleichermaßen wie aus der Psychologie, gebiert grelle Dämonen und abstrakte Figurationen. Alechinsky, der (vor allem nach seiner Abwendung von der Ölmalerei) in seiner Arbeit den zauberischen Anekdoten den Vorzug gibt gegenüber den bedrohlichen Fabeln, hat immer schon die Schrift, irgendwo auf einer verschwimmenden Grenze zwischen Chiffre und Kalligraphie, in seine Graphik hineingebracht Und nun legt er eine ganze, halb wirklich geschriebene Anekdotensammlung vor, die "Alten Papiere". Über alte Rechnungen, Briefe, Bankauszüge, Briefadressen oder auch unbenutzt verblichene Papiere hat er, in einer zweiten Schicht, seine Figurationen und Abstraktionen ausgebreitet, hat die Vorgabe des Materials mal weitergeführt, mal verdeckt mal illustriert, mal karikiert; er hat mal phantasiert, mal philosophiert, mal das Muster der Unterlage (die schönen Schriftschnörkel), mal den Inhalt benutzt (daß jemand "das Vergnügen hatte, zu einer mündlichen Prüfung zu galoppieren", wird Bild über Text, durch ein fröhlich trabendes Untier veranschaulicht). "Sprechende Blätter" nannte einmal Yvonne Teilländer Alechinskys Graphiken. Hier treiben sie eine anmutig verklausulierte Konversation. (Galerie von de Loo bis zum 17. Januar, Katalog 15 Mark)

Petra Kipphoff

Wichtige Ausstellungen

Bremen: "Felix Vallotton – Bilder, Zeichnungen, Graphik" (Kunsthalle Bremen bis 28. Januar, Katalog 22 Mark)