Viele Bildbände über westliche Städte oder Regionen vermeiden es tunlichst, Menschen im Alltag zu zeigen. Die Bewohner erscheinen meist in ihren Trachten. Es ist nicht allein die Liebe zum Pittoresken, die eine solche Auswahl bestimmt, es ist auch verlegerisches Kalkül. Die teuren Bücher lagern über längere Zeiten in den Regalen des Handels. Da sind Menschen, deren Kleidung leicht als veraltet zu erkennen ist, nicht gerade verkaufsfördernd. Der jetzt in der Kümmerly und Frey-Reihe erschienene, 78 Mark teure Band über Schweden (224 Seiten, 120 Farbtafeln) hält sich nicht an diese Berechnung. Schweden wird als Staat mit "lebendigen" Menschen porträtiert, ein optisches Konzept, das in einem umfassenden Text von der Landschaftsbeschreibung, über das kulturelle und soziale Gefüge bis zur Wirtschaftsstruktur seine Entsprechung findet. Den Autoren Walter Imber und Wolf Tietze ist eine instruktive und ausgewogene Mischung von Bild und Text gelungen. Die drucktechnische Wiedergabe ist gut, der Preis mag gerechtfertigt sein. Aber hoch ist er schon.