Viele Wandzeitungsleser in Peking können es zur Zeit morgens kaum erwarten, bis sie vor der Wand mit ihrem Leib- und Magenblatt stehen, um das Allerneueste von den Führungskämpfen in der Partei zu erfahren. Dieses Interesse hat vor allem mit der wieder sehr akuten Frage zu tun: Was hat Strauß-en-ei wirklich vor?

Strauß-en-ei hatte sich zwar erst kürzlich mit einem großen Sprung in seine heimatliche Provinz zurückgezogen und war dort Gouverneur geworden, doch kann sich keiner seiner Landsleute vorstellen, daß er es, soweit vom Schuß, lange aushalten wird. Niemand glaubt, daß er sein Ziel, doch noch eine führende Rolle in der Hauptstadt zu spielen, aufgeben werde, obwohl er diese Vermutung selber eben erst in Peking als "Ente" einer Wandzeitung bezeichnet hat.

Daß an der Sache was dran ist, darauf deuten jüngste Wand-Schlagzeilen wie: "Starker Stier kommt bald zurück", oder "Starker Stier Nr. 1!" hin, hinter denen kein anderer als sein alter Kampfgefährte Sim-er-man stehen soll. Aber auch Gegner des Straußen-ei kamen mit Parolen wie "Dicke Frühlingsrolle – bleib uns vom Halse!" zu Wort.

Sinologen und Chinawatcher, die sich auf die Kunst, Wandzeitungen zwischen den Zeilen zu lesen spezialisiert haben, weisen nachdrücklich auf allerneueste Parolen wie: "Auch Bieder-Kurt ist gutes Holz" hin, hinter der man wieder die Handschrift des Großen Vorsitzenden vermuten darf, der soeben in einer Wochenende Wandzeitung – in einem Exklusiv-Interview – ganz unverblümt davon gesprochen hatte, daß Biede-klop aus dem Holz geschnitzt sei, aus dem man Kandidaten macht. In die gleiche Kerbe schlug er, als er dabei auch die Köpfe von Stol-ting-berg und Alf-Dregg-er erwähnte – den Namen des Kandidaten Nr. 1 Hel-kol-piauo aber erst nach langem Zögern nannte.

Für Chinakenner steht fest, daß es sich Strauß-en-ei zum Ziel gesetzt hat, Hel-kol-piauo, der übrigens auch einst Provinz-Gouverneur war, von Nr. 1 auf null zu bringen, da er ihm jede Fähigkeit, Nachfolger von Mao-tse-schmiss zu werden, abspricht.

Wie Gespräche westlicher Zeitungsleute mit Wandzeitungskollegen ergaben, soll Hel-kol-piauo auf das Wand-Interview süß-sauer reagiert haben, einige meinten sogar, er sei die Wände hoch gegangen.

Sie erfuhren auch, daß die günstig, also zentral gelegenen Wände auf – Wochen hinaus ausgebucht seien, und die Ansichten von Helkol-piauo nur auf weit außerhalb gelegenen Wänden Verbreitung fänden, meist sogar in Sackgassen.