In unserer Klasse waren schon mehrere ausländische Kinder. Wir haben dadurch viele Erfahrungen gesammelt. Ein italienisches Gastarbeitermädchen kam in der 6. Klasse zu uns, fast ohne Deutschkenntnisse, und bekam nie irgendeine Beziehung zu den Mitschülern. Wir glauben, daß wir einiges falsch gemacht haben. Als sie in die Klasse kam, rannte ein Junge auf sie zu und schrie: "Spaghettifresser!", und wir lachten. Wir hätten sie gleich in die Klassengemeinschaft aufnehmen sollen, dann hätte sie mehr Selbstvertrauen bekommen und dadurch die deutsche Sprache schneller gelernt. Statt dessen veräppelten einige von uns sie wegen ihrer Sprache und anderer Dinge. Man hätte ihr helfen können, indem man ihr eine Art Nachhilfe in Deutsch gegeben hätte. Nach einem Jahr zog sie um und wechselte die Schule. – Etwas später bekamen wir eine Schwedin in die Klasse. Sie wurde von ihrer Banknachbarin in die Klassengemeinschaft eingeführt und lebte sich dadurch viel besser ein. Auch mit der Sprache hatte sie nicht so große Schwierigkeiten. – Die Kinder aus den typischen Gastarbeiterländern werden leider anders behandelt als Kinder aus Schweden, Amerika, Norwegen oder Frankreich. Die Gastarbeiterkinder haben es viel schwerer, da ihre Eltern ja wegen finanzieller Schwierigkeiten nach Deutschland kommen; Ausländerkinder dagegen kommen wegen Versetzung des Vaters und stammen meist aus einer höheren sozialen Schicht. – Man muß versuchen, mit allen ausländischen Kindern, besonders aber mit den Gastarbeiterkindern, Kontakt zu bekommen und mit ihnen Deutsch zu lernen. Wenn sie sich erst mal verständigen können, kommen sie auch mit anderen Menschen besser zurecht und finden leichter Anschluß. Man darf sie nicht als etwas "Schlechteres" behandeln, denn das sind sie ja nicht.

Schülerinnen und Schüler der Klasse 8-1-1

der Gesamtschule Weinheim

Mentalität und Sprache sind die größten Schwierigkeiten, die ausländische Schüler zu bewältigen haben. Auf Grund dieser Tatsache sieht man sie meist allein oder unter "ihresgleichen" stehen. Als erstes muß man also versuchen, die ausländischen Mitschüler in die Klassengemeinschaft aufzunehmen. Hierzu ist Voraussetzung, daß die deutschen Schüler keine Vorurteile haben. Diese kann man durch Gespräche, Diskussionen oder sinnvolles Argumentieren beseitigen. Bis die Ausländer bereit sind, sich der Gemeinschaft ein wenig anzupassen, kann es sehr lange dauern. Durch wiederholtes Ansprechen’ kann man ihnen das Gefühl geben, daß sie nicht unerwünscht sind. Dann kann man sie nach schulischen Problemen fragen und eventuell Hilfe anbieten. Auch könnten sich vielleicht ein paar Schüler bereit erklären, abwechselnd ein- oder zweimal in der Woche sich mit den ausländischen Kindern zusammenzusetzen, um Schwierigkeiten zu beseitigen, besonders in der Sprache. Der entsprechende Fachlehrer wird sicher einige Anleitung geben können.

Claudia Hochwald, 15 Jahre

Selbst wenn ich wüßte, wie ich einem ausländischen Klassenkameraden helfen sollte, könnte ich es doch nicht – aus dem einfachen Grund, weil ich keinen habe. Und so wird es den weitaus meisten Gymnasiasten oder Realschülern gehen, denn die Masse der Ausländer trifft, man – leider – in Haupt- und Sonderschulen. Ob deutsche Haupt- und Sonderschüler aber in der Lage sind zu helfen? Ob sie nicht vielmehr selbst in einer sehr schwierigen Situation sind und sich nicht auch noch weitere Konkurrenten für ihre Lehrstellen schaffen wollen? Ich glaube, in der Ausländerfrage kann nur der Staat Entscheidendes tun, nur er kann die Einrichtungen schaffen, die es jedem Ausländerkind ermöglichen, Deutsch zu lernen. Die perfekte Beherrschung der Sprache nämlich ist schon ein Großteil der Eingliederung.

Thomas Fischer, 18 Jahre