Das Gleiten über den Schnee mit tragenden Brettern an den Füßen war schon zu Urzeiten lebenswichtig. Modisch wurde der Langlauf erst in den letzten Jahren. Enttäuscht und gestreßt vom Pistenpoker an Liftschlangen und auf eisigen Buckelhängen wechselten viele Skiläufer von der Piste zur Loipe. Motto: Langläufer leben länger. Doch mit der Entscheidung zur vermeintlich gesünderen Skilaufart wuchs auch der Etat mancher Skifamilie um erkleckliches.

Allerdings sind Langläufer billiger auszustaffieren als der alpine Rennläufer im Astronautenlook. Es muß zum Anfang nicht der komplette, mit vielen Streifen versehene Langlaufanzug sein. Gerade beim Anfänger tut’s zum Anfang auch ein alter Trainingsanzug mit einem kräftigen, saugfähigen Unterhemd auf dem Körper. Um die Waden können kniehohe Socken getragen werden. Auf den Kopf gehört eine Pudelmütze und um den Hals ein Schal.

Auch muß sich der Neuling in der Loipe nicht gleich die superleichten Rennskier wie sie deutsche, finnische und österreichische Hersteller für 330 Mark bieten, an die großstadtmüden Beine schnallen. Zum rüstigen Wandern im Flachlandschnee reicht fürs erste auch ein Komplettset aus dem Kaufhaus oder dem Supermarkt. Da gibt es schon für 120 bis 150 Mark Ski, Bindung, Stöcke und Schuhe. Vor allem bei letzteren sollte auf die Ausführung geachtet werden, die nicht immer für tadellosen Sitz der Bindung und für das Wohlbefinden der Füße garantieren.

Neu auf dem Markt sind ’Langlaufskier aus Niederbayern und auch Schwaben, die beide mit hervorragenden Lauf- und Steigeigenschaften aufwarten können. Allerdings ist ihr Preis von etwa 250 Mark nicht eben niedrig, und für den Anfänger ist es eh günstiger, sein mangelndes Gleichgewicht und den gerade beim Langlauf wichtigen rhythmischen Bewegungsablauf auf nicht zu schmalen Latten zu üben. Ohne Rennambitionen wandert es sich im Flachlandschnee ohnehin besser auf breiteren Brettern.

Hilfreich sind für den Anfänger, der in die alchimistisch anmutende Kunst des Wachsens noch nicht eingedrungen ist, die Schuppenskier. Diese weisen auf ihrer Lauffläche regelmäßige Einkerbungen auf, die beim Gleiten nach vorn nicht stören und beim Abdruck nach hinten den nötigen Halt geben sollen. Aber der gewachste Ski läuft allemal besser. Unter der Bindung hat der Ski die druckstärkste Verbindung zur Unterlage. Dort mehr Wachs auftragen als an der Schaufel.

Was einst als Gesundheitsapostelsport galt, ist zur Massenbewegung geworden. Das Vergnügen abseits der Pisten ist nicht mehr der individuelle Bewegungsspaß wie ehedem. Auf sogenannten Volksläufen starten Tausende von Langläufern, und am Rande der Massenloipen harrt der vielköpfige Troß von Firmenmannschaften, die mit Service und Werbung präsent sind. Dabei laufen dann auch in Firmendiensten waschechte Langlaufprofis mit. Und es kann schon vorkommen, daß mancher brave Läufer seine eigenen Kräfte überschätzt und das warnende Podien in den Schläfen überhört.

Langläufer leben nicht unbedingt länger. Weil der gesamte Organismus während einer langen Zeitspanne im Gegensatz zum Alpinskilauf einer hohen Belastung unterworfen ist, ist der Langlauf zunächst die ideale Unternehmung zum Trainieren von Muskeln und Kreislauf. Nur muß jeder Langläufer seine Grenzen kennen. Harald Farner