Zu behaupten, mein Sohn Till wäre faul, was die Erledigung häuslicher Pflichten anbelangt, würde den Kern der Sache verfehlen. Er ist nämlich stinkfaul. Sein Reservoir mehr oder minder plausibler Ausreden ist schier unerschöpflich. War schier unerschöpflich. Bis wir das Thema spielerisch anpackten. Mit TREPPAUF-TREPPAB.

Zunächst setzt man aus vorgestanzten Teilen ein zweistöckiges Einfamilienhäuschen zusammen. Dann kriegt jeder – Vater, Mutter, Kind und Kegel – seine Jobs. Da sind Hund und Auto zu waschen, da ist das Baby zu trösten, die Tante zu unterhalten, das Klo zu putzen, der aufgebrachte Nachbar zu beruhigen. Tischdecken, Geschirrspülen und Bettenbau gehören eh’ zum Routineprogramm eingespielter Familien. Und daß niemand gern die eigenen, geschweige denn anderer Familienmitglieder Schuhe putzt, versteht sich fast von selbst.

Im Spiel werden die Arbeiten dadurch erledigt, daß man sich an den Ort des Geschehens begibt. Unterwegs kann es freilich passieren, daß ein anderes Familienmitglied einem zusätzliche Aufgaben aufhalst. Und man ist, oh Familiensinn, zur Übernahme verpflichtet. Es sei denn, ein Ausredchen ist zur Hand. Ein halbes Dutzend probater Ausflüchte sind auf Kärtchen parat. Jeder, der selbst dann und wann versucht, einer unbotmäßigen Horde von Kindern kleine Aufgaben zu übertragen, kennt faule Sprüche der Preislage: "Ich kann jetzt leider nicht weil ich gerade ..."

Till und Fabian waren recht geschickt im Delegieren. Und recht erstaunt, als sie beide bei dem Versuch, die letzten "mühseligen" kleinen Karten abzustoßen, auf Ausreden stießen. Das war immerhin neu. Ausreden war ihr Revier. Und daß mein Weib schließlich als erste fertig wurde, weil sie beharrlich mit Ausreden alles von sich abgewälzt hatte, was man ihr antrug, versetzte den Herren Söhnen doch einen gelinden Schock. Zu unserer größten Überraschung waren sie nach dem Spiel kommentarlos bereit, das Kinderzimmer tadellos aufzuräumen. Ohne Ausreden! Tom Werneck

TREPPAUF-TREPPAB, Otto Maier Verlag Ravensburg, Marktstr. 22–26, 7980 Ravensburg; 3–5 Personen, Spielzeit etwa 30–45 Minuten. Preisempfehlung: 37,95 DM.