Von Harald Farner

Frankfurts Verkehrspolizei schmollt: "Unser Radarservice brachte nichts", faßt ein Polizeisprecher die enttäuschenden Ergebnisse einer Publizitätsaktion zusammen, deren erzieherische Wirkung von Anfang an umstritten war, Unter der Rubrik "Radarkontrollen heute" lieferten auf Grund von Polizeiangaben hessische Tageszeitungen den Autofahrern täglich die Standorte von Radarfallen frei Haus.

Aber offensichtlich scherte sich kaum einer der schnellen Zeitgenossen unter den Autolenkern um den kostenlosen Polizeiservice: In neun Monaten stieg in Frankfurt die Zahl der geblitzten Raser von 5,7 auf 8,4 Prozent aller gemessenen Fahrzeuge. Polizeierkenntnis: "Offensichtlich gibt es einen typischen Schnellfahrer, der sich um Vorschriften nicht kümmert, und der auch durch Warnungen vor Radarkontrollen in seinem Fahrverhalten nicht zu beeinflussen ist." Der Warnservice wurde deshalb vor rund zwei Wochen eingestellt.

Allerdings ist die polizeiliche Statistik mit einigen Ungereimtheiten belastet, die die plötzliche Beendigung des Radardienstes übereilt erscheinen lassen. Die Polizeizahlen enthalten keine Angaben über allgemein gestiegene Fahrleistungen, über Mehrfachtäter oder darüber, ob die höheren Erfolgszahlen bei den Messungen nicht einfach auf bessere Geräte und mehr Personal zurückzuführen sind. Ein Vergleich, mit dem man die Zunahme der Temposünder besser bewerten könnte, fehlt.

Außerdem verhielt sich gerade die Frankfurter Polizei bei der Publizierung der Radarfallen recht vage. Der tägliche Hinweis auf Kontrollen in der "Innenstadt" konnte kaum geeignet sein, schnelle Vielfahrer überall zum Einhalten des Tempolimits zu animieren.

Autofahrer scheren sich allerdings seit Jahr und Tag auch um bekannte Radarkontrollen kaum – das zählt schon zu den Binsenweisheiten der Polizei in allen Landesteilen. Noch immer helfen pro Jahr knapp 40 000 Schnellfahrer auf der unfallträchtigen Gefällestrecke der Autobahn Köln–Frankfurt am Elzer Berg durch Bußgelder die hessische Staatskasse aufzubessern. Dabei sind die auf einer Schilderbrücke versteckt montierten Geschwindigkeitsmesser zur Überwachung des Tempolimits bei Autofahrern wohl bekannt.

Daß die Kenntnis um die automatisierten und allzeit bereiten Radarwächter die Autofahrer nicht vor dem allzu rasanten Tritt auf das Gaspedal bewahrt, erfährt täglich auch die Stuttgarter Polizei. Seit vier Jahren werden dort auf der Bundesstraße 14 die erlaubten 60 Stundenkilometer per Radar und Blitzlichtkamera überwacht. In dieser Zeit haben sich sowohl die Zahl der geknipsten Raser, als auch deren Herkunft kaum geändert. Zwei Drittel der ertappten Geschwindigkeitssünder wohnen in Stuttgart und Umgebung und wissen um die Falle.