Hewlett-Packard

Von Michael Jungblut

Besorgte Miene, warnend erhobene Stimme, trüber Blick in die Zukunft: Dies etwa ist – nach fünf Jahren Haute und wachsenden sozialen Spannungen – das Bild, das deutsche Unternehmer und Spitzenmanager der Öffentlichkeit bieten.

Ungebrochener Glaube an die Zukunft und an die Kraft des eigenen Landes, an die Dynamik ihres Unternehmens und eine von keinerlei Zweifel angekränkelte Überzeugung, daß kräftiges wirtschaftliches Wachstum auch weiterhin möglich und nötig ist: Dies prägt auch heute noch das öffentliche Erscheinungsbild amerikanischer Bosse.

Das gilt besonders dann, wenn sie im "Sonnengürtel" der USA und in Zukunftsbranchen wie der Elektronik zu Hause sind. Ein Musterexemplar für diesen in der Bundesrepublik selten gewordenen Typ, der Optimismus und Tatendrang ausstrahlt und für den Klagen noch nicht zum unternehmerischen Handwerkszeug gehören, ist John A. Young, Spitzenmanager der im kalifornischen Palo Alto residierenden Hewlett-Packard Company. Das multinationale Unternehmen, das auch in der Bundesrepublik über eine gut gewachsene Tochter verfügt, ist in den vergangenen Jahren mit Riesenschritten vorwärts gestürmt. Konnte es vor zehn Jahren erst 203 Millionen Dollar Umsatz melden, so werden es bis Ende 1978 über 1,73 Milliarden Dollar sein – 27 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wachstumsraten von zehn, zwanzig oder gar über dreißig Prozent waren, in den vergangenen Jahren nichts Ungewöhnliches für das auf dem Gelände der Stanford-University beheimatete Elektronik-Unternehmen. Mit einer Unbefangenheit, wie sie ein deutscher Firmenchef kaum noch aufbringt, prognostiziert Young daher eine Verdreifachung des Umsatzes auf fünf Milliarden Mark in den kommenden fünf Jahren und eine Verdopplung der Mitarbeiterzahl. Gegenwärtig beschäftigt HP weltweit vierzigtausend Männer und Frauen, davon 1775 in der Bundesrepublik

Am geplanten Wachstum soll die deutsche Tochtergesellschaft in Böblingen bei Stuttgart ebenso wie bisher teilnehmen. Vor allem mit technischen und medizinischen Meßgeräten sowie Tischcomputern konnte die Hewlett-Packard GmbH ihren Umsatz zwischen 1973 und 1978 von 265 auf 540 Millionen Mark steigern. In Zukunft soll die Computerproduktion in der Bundesrepublik kräftig ausgebaut werden. Von solchen Plänen läßt sich die Konzernspitze in Kalifornien weder durch das hohe deutsche Lohnniveau abschrecken noch von der Aussicht, bei weiter steigender Mitarbeiterzahl in die deutsche Mitbestimmung (ab zweitausend Beschäftigten) hineinzuwachsen. "Die Produktivität ist in Deutschland sehr hoch und das dortige Management ausgezeichnet", erklärt Firmengründer Dave Packard; und sein Freund und Geschäftspartner Bill Hewlett kann sich "nicht vorstellen, daß bei unserem guten Betriebsklima eine Mitbestimmung der Arbeitnehmer zu Problemen führen kann".