Ich möchte den Hamlet spielen. Aber dafür müßte ich mir noch 20 Pfund mehr anfressen. Für mich hat Hamlet nämlich nichts Heldisches. Er ist ein kleinlicher, egoistischer Mensch. Deshalb ist er so fett. "Sein oder Nichtsein" ist kein tiefsinniger Monolog, sondern eine eitle Selbstbeschauung. Darum müßten auch überall auf der Bühne Spiegel angebracht sein. Hamlet ist nicht nur egoistisch, sondern auch dumm. Horatio, der fast überall zum Stichwortgeber degradiert wird, ist in Wirklichkeit derjenige, der hier denkt. Er gibt doch diesem Pseudohelden jeden Satz ein. Man müßte zeigen, daß im Staate Dänemark wirklich etwas faul ist: Schweine und Hühner sollten den Thronsaal durchlaufen, denn Hamlet, der alles auf sich bezieht, denkt nur ans Essen. Aber langsam werde ich für die Rolle zu alt Vielleicht kann ich das mal inszenieren.

Der Dramatiker Martin Sperr (Jagdszenen in Niederbayern", "Adele Spitzeder") in einem Interview mit der Zeitschrift "Die Deutsche Bühne"

Pariser Zeitungs-Zar angeklagt

Die Unruhe in der Pariser Presselandschaft bleibt. Nach der Aufregung über eine Art rechter Sammelbewegung um das neugegründete Figaro-Magazin (ZEIT Nr. 49) wurde nun dessen Inhaber Robert Hersant angeklagt; ihm gehören neben Le Figaro und France-Soir neun andere Tageszeitungen, neun Wochenblätter und elf Fachzeitschriften. Damit verstößt Hersant gegen ein Gesetz, demzufolge niemand mehr als eine Tageszeitung besitzen darf. Pikanterweise stammt dieses Gesetz aus dem Jahre 1944: Man wollte die an der Kollaboration mitschuldige "Geld-Presse" (presse d’argent) eindämmen; federführend an dem Gesetz war ein General in Algerien – namens de Gaulle. Daß sich nun zur selben Zeit, im Dezember 1978, die gesamte Redaktion der linksliberalen L’Aurore in einem Brief an den Präsidenten der Republik wendet, ist kein Zufall – politischen und kommerziellen Pressionen nachgebend, hatte der Chefredakteur Roland Faure demissioniert (schon tags darauf war sein Name aus dem Impressum gelöscht). Seine Mitarbeiter fürchten eine antiliberale Einebnung des vielfältigen Meinungsspektrums: Sie sehen einen echten Prozeß gegen den mächtigen "Ex-Collabo" Hersant nicht, aber das Ende ihrer Zeitung, zu deren Mitarbeitern einst Georges Clemenceau und Emile Zola gehörten.

Neues von und über Hugo Ball

Zum dritten Mal ist jetzt ein "Hugo-Ball-Almanach" erschienen, herausgegeben von Ernst Teubner, dem Leiter der Stadtbücherei in Balls Heimatstadt Pirmasens. Unveröffentlicht war bisher das Fragment von Balls Dissertation "Nietzsche in Basel". Ein Brief an Kandinsky gibt Hinweise zum Thema "Gesamtkunstwerk. Joachim Kühn schreibt über Ball und die "Rechtfertigung von Kunst und Künstlertum", Gerhard Schaub über Balls Komödie "Der Henker von Brescia". Zu beziehen über die Stadtbücherei, Dankelsbachstraße 19, 6780 Pirmasens (176 S., Schutzgebühr 7 Mark).

Korrektur zu Schad

Der Maler Christian Schad, im ZEITmagazin Nr. 49 vorgestellt und auf dem Titel in einem Selbstporträt von 1927 abgebildet, war in der Bildüberschrift um zwei Lebensjahre betrogen: geboren wurde er 1894. Außerdem erreichte uns die Nachricht, daß das von Schad geäußerte Bedauern darüber, daß die "Letzte Lockerung", das 1920 erschienene Dada-Manifest seines Freundes Walter Serner, nicht wieder aufgelegt sei, unbegründet ist. Die "Letzte Lockerung manifest dada" kam in einem Reprint im Verlag Klaus Renner, Erlangen, heraus, die erweiterte Fassung mit dem Untertitel "Ein. Handbrevier für Hochstapler" im Gerhardt Verlag, Berlin.