Von Hermann Glaser

Ein SS-Mann sagt zu einem Juden im KZ: ‚Du sollst heute umgebracht werden, aber ich gebe dir eine Chance. Ich habe ein Glasauge; wenn du erkennst, welches, dann schenke ich dir dein Leben.‘ Der Jude schaut den SS-Mann an und sagt: ‚Das linke, Herr Rottenführer.‘ – ‚Woran hast du das erkannt?‘ – ‚Weil es so menschlich blickt.‘

Ich hörte diesen Witz zum erstenmal im Kriege; es mag 1941 oder 1942 gewesen sein. Für jene, die nicht oder nicht mehr mit dem Nationalsozialismus sympathisierten, bedeutete das Erzählen solcher Witze ein Stückchen Widerstand; man suchte ein Ventil für aufgestaute Erbitterung; die Ohnmacht klammerte sich ans verbale Aufbegehren.

Der Witz ist nun enthalten in:

"Das verspottete Reich", Witze gesammelt von Alexander Drozdzynski; Droste Verlag, Düsseldorf, 1978; 220 Seiten, DM 19,80.

Dies ist ein Buch zum Tot-Lachen.

"Da man im Ausland behauptet hatte, daß die Nazis humorlos seien, veranstaltete Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ein Preisausschreiben für die besten politischen Witze. Folgende Preise wurden vorgesehen: Erster Preis: Fünf Jahre Zuchthaus. Zweiter Preis: Drei Jahre Konzentrationslager Dachau oder Esterwegen. Dritter Preis: Besuch im Keller des Gestapo-Sitzes Prinz-Albrecht-Straße mit anschließendem Verhör."