Von Christian Näser

Noch vor Jahren gehörten sie zu Deutschlands Spitzenverdienern: Führungs- und vor allem Fachkräfte in der Datenverarbeitung. Dann kamen schlechte Zeiten. Der Bedarf an EDV-Personal ging zurück. Auf ein Stellenangebot kamen 70 bis 80 Bewerbungen. Fast zwangsläufig sanken daraufhin die Gehälter. Nicht absolut, aber doch immerhin prozentual im Vergleich zu anderen Berufssparten. Die Folge ist, daß in der Datenverarbeitung zwar immer noch recht ordentlich verdient wird, die Gehaltshöhen früherer Jahre aber bei weitem nicht mehr erreicht werden.

Zum Thema EDV-Gehälter hat die Kienbaum Unternehmensberatung in Gummersbach nach umfangreichen Erhebungen eine Untersuchung vorgelegt, in der die Vergütung von 22 datenverarbeitenden Berufen durchleuchtet wurde. Spitzenverdiener ist demnach der Leiter der Organisation und Datenverarbeitung. Er kommt inklusive aller Nebenleistungen leicht auf 75 000 Mark im Jahr. Weitere "Großverdiener" sind die Leiter der EDV-Organisation, der Programmierung, des Rechenzentrums, der Datenbank sowie der Datenschutzbeauftragte. Sie alle verdienen zwischen 58 000 und 64 000 Mark. Am Ende der Gehaltsskala rangieren die Datentypisten (übrigens fast ausnahmslos Datentypistinnen), die Datenverarbeitungs-Kaufleute und die Operatoren. 23 000 bis 30 000 Mark gehen jährlich auf ihren Gehaltskonten ein. Ihre Bruttomonatsgehälter liegen bei 1800 bis 2300 Mark.

Zur Einkommenssituation der qualifizierten Fachkräfte läßt sich keine einheitliche Aussage treffen. Das Spektrum der Gehälter ist hier sehr breit. Es reicht von 35 000 Mark für den Arbeitsvorbereiter über 46 000 Mark für Organisatoren bis 50 000 Mark für den Mathematisch-Technischen Assistenten und den Vertriebsbeauftragten. Noch mit in das obere Gehaltsdrittel muß man die Systemanalytiker, die Systemprogrammierer und die Datenbank-Organisatoren rechnen. Operatoren und Programmierern geht es schon wesentlich schlechter.

Drei Dinge braucht der Mann und auch die Frau: den Nachweis guter Leistung, eine günstige Marktlage und Verhandlungsgeschick. Im günstigsten Fall trifft alles zu. Dann dürfte die nächste Gehaltserhöhung sicher nicht mehr weit

sein. Darüber hinaus gibt es aber noch eine ganze Reihe von anderen Faktoren, die das Einkommen bestimmen. Vor allem kann die Unternehmensgröße entscheidend sein. Je größer das Unternehmen, desto großzügiger fällt im allgemeinen auch die Vergütung aus. 20 000 Mark im Jahr mehr oder weniger sind zwar nicht die Regel, aber zumindest bei leitenden Mitarbeitern keine Seltenheit. Selbst für Datentypistinnen kann die Unternehmenswahl 4000 Mark jährlich ausmachen. Eine Ausnahme bilden in dieser Hinsicht lediglich die Softwarehäuser und Rechenzentren. Nach Beschäftigtenzahl und Umsatz durchweg kleinere Unternehmen (bestehen sie doch ausnahmslos aus einer EDV-Abteilung), zahlen sie ihren Mitarbeitern aber Spitzengehälter.

Spitze sind auch die Gehälter in Hamburg. In der Hansestadt werden durchweg Einkommen erzielt die um zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen. Berlin hingegen ist für EDV-Kräfte mit hohen Einkommenserwartungen wenig attraktiv. Ein sogenanntes "Nord-Süd-Gefälle" gibt es nicht mehr. Unternehmen in Bayern zahlen nicht schlechter oder besser als die Konkurrenz in Schleswig-Holstein. Entscheidend für die Gehaltshöhe ist vielmehr die Gemeindegröße. In Großstädten liegen die Verdienste um 20 Prozent höher als in der "Provinz". Dies mag als Zuschlag für höhere Mieten, höhere Lebenshaltungskosten und entgangene "Lebensqualität" gedacht sein.