Hervorragend

"Die King’s Singers singen deutsche Volkslieder" – und machen dabei, sich und ihrem (deutschen) Publikum, lauter kleine Entdeckungen: So, wahrhaftig, waren diese Lieder noch niemals zu hören, je nach Inhalt so witzig oder so unaufdringlich virtuos und "echt". Befreit von romantischen Wülsten, wirken sie wunderbar schlank und leicht, behende und natürlich; so ist man auch imstande, das reichlich blumig geratene Wiegenlied "Heidschi Bumbeidschi" zu überstehen. Die meisten Lieder sind von Hartmut Kiesewetter vorsichtig für dieses berühmte englische Sextett gesetzt, zwei Engländer haben die anderen arrangiert: ironisch, parodistisch, unerhört lustig, belebt durch (laut-)malerische Effekte, die aus den Texten gezogen wurden wie beim "Lauf, Jäger, lauf, lauf, lauf" oder (a capella) Schuberts flinker "Forelle". Manchmal wirken Harfe, jazzige Gitarre, Cembalo oder ein kleines Orchester mit, meist bleiben die Sänger unter sich. Sie behandeln die Volkslieder wie Alltags-Pretiosen, wenden viele Nuancen der Lautstärke, der Aussprache, der Steigerungen, des Tempos für sie auf und setzen ihnen kleine originell blinkende Lichter auf. (Aves/Intercord INT 161.514, MC INT 461.514). Zugleich erschien ein gut zusammengestelltes "Starporträt" mit dem Titel "The King’s Singers" mit Liedern aus Klassik und Pop (Aves INT 156.501, MC INT 456.501).

Manfred Sack

"Erich Kästner erzählt Münchhausen". Acht Schnurren und Schwanke des Landjunkers und Lügenbarons Hieronymus stellt Henning Venske in der knappen und witzigen Sprache Erich Kästners vor. Den phantastischen Stoff, der in unzähligen Zurichtungen des Originaltextes von G. A. Bürger gelitten hat, bringt Kästner in die pointierte kurze Form zurück. Venske erweist sich als intelligenter Erzähler; er trägt die haarsträubenden Abenteuer des tolldreisten Bramarbas in trockener Manier vor. Die Mondreise, die Sultanswette oder der halbierte Litauer bekommen in dieser überzeugenden Interpretation, die auf Mätzchen, bombastische Übertreibungen und kindertümelnde Töne verzichtet, Würze und Geschmack. Die Schallplatte gehört zusammen mit sechs weiteren Kinderklassikern in die Reihe "Erich Kästner erzählt". (Pläne, DK 0122)

Ute Blaich

Georg Friedrich Händel: "Wassermusik". Wer sie nicht genau kennt, möchte sie eventuell nicht wiedererkennen – zu sehr unterschieden von der üblichen Art, die Suiten zu zelebrieren, ist diese Art, mit der Nikolaus Harnoncourt Händels Begleitmusiken für königliche Bootsfahrten ausführt. Punktierte Rhythmen statt Triolen, weltliche Menuett-Tempi statt pathetischer Schreitmaße, empfindsam artikulierte Phrasen mit schwerem Beginn und abfallenden Schlüssen, sensible Tongebung in den Streichern, äußerst ruppig, fast heiser klingende Hörner, solistische Besetzung mit alten Instrumenten, natürlich, Nur das Geräusch des plätschernden Wassers ist nicht dem historischen Original entsprechend eingeblendet. Wieder eine Einspielung, die, wie vor allem die Bach-Ouvertüren, die Stilisten von den Philharmonischen trennen muß. (Concentus Musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt; Telefunken 6.42368 AW) Heinz Josef Herbort