"...bleiben Sie ruhig noch übers Wochenende bei uns, dann können. Sie noch ein echtes deutsches Weihnachtsfest miterleben", riet ich Max; Seinen wirklichen Namen hatte mein unerwarteter exotischer Besucher nur undeutlich gemurmelt, als er aus seiner "Fliegenden Untertasse" geklettert kam, mit der er in meinem Garten sauber gelandet war. Darum hatte ich meinen ersten "Planetarier", der übrigens ganz anders aussah, als man sich solche Wesen gemeinhin vorstellt, einfach Max getauft.

"Oh, gern", rief Max, der deutsch mit einem leichten Akzent sprach, erfreut über meinen Vorschlag, aus, "von diesem Fest hat man in meiner Heimat schon viel gehört." – Da in unserer Gegend schon einige Ufos mit seltsam aussehender Besatzung gelandet waren, verzog Frau Siemers, meine Nachbarin, keine Miene, als ich ihr Max vorstellte und sie bat, Max am Weihnachtsabend mitbringen zu dürfen.

In der Siemersehen Wohnung vernahmen wir ein herzzerreißendes Schluchzen. "Nicht weiter beachten", flüsterte uns Frau Siemers zu, "das ist nur unsere Sabine, die gerade erfahren hat, daß sie das gewünschte Sportcoupé erst zum Geburtstag bekommt." Schon stürmte Sabine mit den Worten: "Ihr habt mir das ganze Fest kaputt gemacht" aus der Wohnung.

Nun trat ihr Vater in die Diele und sagte, nachdem er uns kurz begrüßt hatte, zu seiner Frau: "Irma, wo hast du das Geschenk für Jochen?" Seine Frage schien sie etwas verlegen zu machen. "Welches?" fragte sie zurück, während ich Max rasch zuflüsterte, daß es sich bei Jochen um den kleinen Sohn handelt. – "Na, dieses Telespiel ‚Panzerschlacht‘, das er sich so sehnlich zu Weihnachten gewünscht hat."

Während sich nun Siemers’ darüber in die Wolle bekamen, wer eigentlich für den Kauf des Geschenks zuständig war, versuchte ich Max an Hand dieser "Panzerschlacht" den Unterschied zwischen Krieg und Frieden klarzumachen. – Herr Siemers hatte inzwischen nachgegeben, sagte aber, während er den Mantel anzog, zu ihr: "Deinetwegen muß ich mich jetzt noch mal in dieses Verkehrschaos stürzen, und mich im Gewühl der Massen einquetschen lassen."

"Na und? Wer von uns hat denn wieder mal die Hauptlast zu tragen?" gab sie giftig zurück, "wer muß stundenlang in der Küche die Gans braten, du oder ich? Schließlich muß ich auch noch deine ganze schreckliche Sippschaft über die Festtage ertragen. Übrigens kannst du auch gleich noch die Vivaldi-Kassette für Stöbers besorgen, die soll es bei ‚Disco‘ im Sonderangebot geben." – "Hatten wir mit Stöbers nicht verabredet, uns diesmal nicht gegenseitig zu beschenken?"

"Stimmt! Aber bei denen habe ich den Verdacht, daß sie uns im letzten Augenblick doch noch ein Geschenk machen – nur um uns zu demütigen. Und dann sicher eins, das man noch nicht mal nach dem Fest umtauschen kann."