DIE ZEIT

Ärger mit dem Ölpreis

Fünf Jahre nach dem Ölpreisschock vom Oktober 1973 hat die Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC) die Welt vor Weihnachten wieder mit einem unerwartet hohen Preisaufschlag überrascht.

Untaugliche Verfassung

Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern.

Kein Frieden in dieser Welt

Es ist sehr schwer, über den Frieden, was immer er sein könnte, anders als in einer Art Predigtstil zu reden, also in einer öffentlichen Äußerung zu dem, was ist und wer wir sind – wir Deutschen an Weihnachten 1978; und zu dem, was möglich wäre, wenn wir nur etwas mehr Hoffnung und Vertrauen hätten zu dem, was keiner von uns ausrechnen kann.

Zeitspiegel

Was dem Fürsten Bismarck recht war, muß dem Bundespräsidenten Walter Scheel nun billig sein. Wirbt der Name des einen eher beziehungslos für Schnaps und Heringe wird der des anderen bald jedem Schrebergärtner geläufig sein.

Keine Mehrheit für den Kompromiß

So merkwürdig es klingen mag – die moderate Lohnforderung der IG Metall signalisierte eine harte Verhandlungsrunde. Die Gewerkschaft verlangte für die rund 200 000 Beschäftigten der Stahlindustrie in den Tarifbereichen Nordrhein-Westfalen, Osnabrück und Bremen eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent.

Mythos von der gelben Gefahr

Der offizielle Tenor ließ wie üblich auf sich warten. Als Introduktion spielten die sowjetischen Massenmedien die Version der japanischen Kommunisten ein: Die Normalisierung zwischen Peking und Washington sei an und für sich ein gewöhnlicher Schritt – aber viele Menschen in Japan befürchteten eine gefährliche Verschärfung der Spannungen.

Carters Coup

Lassen wir die Pagode im Dorf: Der Beschluß der Amerikaner und Chinesen, im nächsten Jahr Botschafter auszutauschen, steht nicht am Beginn einer ganz neuen weltgeschichtlichen Epoche.

Eine Zauberformel für Taiwan

Gleich zwei diplomatische Premieren hatte das Weiße Haus für den Beginn dieser Woche geplant: die Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages am Sonntag und kurz danach die Aufnahme voller Beziehungen zwischen Peking und Washington.

Krach im Vorderhaus

Zuletzt hing seine Macht an einem dünnen Faden: Eine einzige Stimme bewahrte Menachem Begin vor dem sicheren politischen Sturz.

Ein rheinischer Herr

Kardinal Joseph Frings, der am Wochenende mit 91 Jahren gestorben ist, war eine zierliche, sensible Erscheinung. Er sprach leise und hell.

Kalkar-Entschließung: Das Restrisiko des Parlaments

Herbert Wehner platzte der Kragen. "Lauter klatschen! Lauter klatschen!", brüllte er in grimmiger Ironie seinen Genossen zu, die es gewagt hatten, dem FDP-Abgeordneten Gärtner wohltemperierten Beifall zu zollen.

Lew Smirnow: "Genozid zur Staatspolitik gemacht"

In einem Interview bezieht der Vorsitzende des Obersten Gerichtes der Sowjetunion, Lew Smirnow, Stellung zu völkerrechtlichen und politischen Aspekten der Debatte um die Einführung einer Verjährungsfrist für Nazi-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland.

Bittere Besinnung

Wie immer merkt man es zuerst an den Parkplätzen. Für gewöhnlich kann einer von Glück reden, wenn er im Bonner Bundesviertel nach acht Uhr morgens noch eine Lücke für sein Gefährt findet.

Keine Lust aufs Altenteil

Alle strebten danach, so schrieb einst August Bebel an Karl Kautsky, sich abzurackern und sich frühzeitig fertigzumachen. Er hat damit wohl eine sozialdemokratische Lebensmaxime festgehalten.

Das Älterwerden hat sich gelohnt

Das Jahr 1978, in dem Helmut Schmidt seinen sechzigsten Geburtstag feiert, brachte ihm den sichtbaren Höhepunkt seiner politischen Karriere: den Bonner Gipfel im Juli – auch wenn in seinen eigenen Augen Mogadischu wahrscheinlich höher rangiert als jene Zusammenkunft der sieben wichtigsten Staats- und Regierungschefs.

Wolf gang Ebert: Heiliger Abend

"...bleiben Sie ruhig noch übers Wochenende bei uns, dann können. Sie noch ein echtes deutsches Weihnachtsfest miterleben", riet ich Max; Seinen wirklichen Namen hatte mein unerwarteter exotischer Besucher nur undeutlich gemurmelt, als er aus seiner "Fliegenden Untertasse" geklettert kam, mit der er in meinem Garten sauber gelandet war.

Wie man Nazis macht

Herbst 1932 stand ich in Hamburg vor dem Dammtorbahnhof, den Rücken zur Moorweide. Die NSDAP hatte einen Umzug angesagt. Die Nazis kamen aus der Innenstadt in Sechserreihen; immer etwa dreißig Reihen hintereinander, dann ein Polizeiwagen mit (etwa ) fünfzehn Beamten; dann wieder dreißig Reihen Nazis, wieder, ein Polizeiwagen, wieder Nazis .

Zu kühl und zu nüchtern

Pfarrer Jan Sliwanski, Seelsorger für polnisch sprechende Katholiken in Hamburg und Umgebung und Rektor des Hamburger Marienkrankenhauses, äußerte in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Besorgnisse, die das Kirchenamt nicht teilt und denen es sogleich heftig widersprach.

Plakette oder Parkplatz

Es ist eine schwere Gewissensfrage, vor die sich Schleswig-Holsteins Lehrer jetzt gestellt sehen, und kein Fühlender wird sie verdammen, wenn sie die Überzeugung zugunsten der Bequemlichkeit an den Nagel hängen werden.

Lieber mit der Bahn

Dscheden Tach is’ was mit der S-Bahn. Bei acht Grad über null geht es los. Laß ein bißchen Nebel dazukommen oder ein paar Gramm Schnee – schon ist es ein Glück, wenn man in einem Rutschdurchkommt von Pinneberg nach Hamburg Hauptbahnhof.

Wer ist Barbara Hendricks?

Vor 195 Jahren wurde Mozarts "Le Nozze di Figaro" zum ersten Male in Berlin "gegeben", wie man damals zu sagen pflegte, vier Jahre nach der Wiener Uraufführung.

Der leidende Gott

Um ein rechter Christ zu sein, müsse man ein linker Sozialist werden: Solche Töne beherrschten geraume Zeit die protestantische Szene.

Als Schafe unter den Wölfen

Materialistische Bibelinterpretation – dies ist ein programmatisches Schlagwort, das seit einiger Zeit durch die theologische Diskussion geistert.

Nur fürs Auge

Das Profil eines unschönen Gourmets. Doch dieser perückenbesetzte Epikureer war ein halbes Jahrhundert der absolute Maßstab adliger Lebensart, der Manieren, des Geschmacks, der Konversation.

Geschäft mit dem schlechten Gewissen

Das Auto rast an das anderes heran, geht links vorbei und schwenkt wieder rechts ein. Eine Kollision wurde knapp vermieden: "Prima, gerade noch geschafft.

Funktionäre in der Klemme

Eugen Loderer, der Vorsitzende der IG Metall, hatte die Arbeitgeber gewarnt. In einem Gespräch mit der ZEIT sprach er vom "Nadelöhr der Urabstimmung", durch das jedes Ergebnis der Verhandlungen im Tarifkonflikt der Stahlindustrie hindurch müsse.

Keynes kann sich nicht mehr wehren

ZEIT: Herr Professor Schiller, kurz vor der Ölpreiskrise sagte Bundeskanzler Helmut Schmidt voller Zuversicht, daß erstens eine Weltrezession nicht zu erwarten sei und zweitens alle Regierungen begriffen hätten, wie Rezessionen zu bekämpfen selen.

Kriechtier vor Gericht

Der Vater hatte entschieden: Bäcker sollte sein ältester Sohn werden. Doch schon einen Tag, nach dem der Kornwestheimer Bauer Johann Christoph Sigle seinen vierzehnjährigen Sohn Jakob bei einem Bäckermeister im Nachbarsdorf Ludwigsburg abgeliefert hatte, war der Sohn wieder daheim – ausgerissen.

Scheiche und Chinesen

Die Schlagzeilen der amerikanischen Tageszeitungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit China waren kaum trocken, da sorgte die von den Opec-Staaten beschlossene Ölpreiserhöhung für erneute Aufregung.

Devisenschmuggel: Milde für den Star

Sophia, ich hasse sie", schrieb ein Mailänder Leser an die Tageszeitung Corriere della Sera. Es gäbe nur ein Mittel, die Devisensünderin Sophia Loren und ihren Mann Carlo Ponti zu bestrafen: Italien solle den Filmstar und den Regisseur völlig vergessen und nie wieder etwas über die beiden berichten.

Wenn die Höchstgrenzen näherrücken...

Trotz. Verschiedener Reformen ist die Steuergesetzgebung ein Irrgarten für den Bürger geblieben Es gehört sehr viel Sachverstand dazu, um alle staatlichen Förderungsmöglichkeiten auszuschöpfen oder unnötige Steuerzahlungen zu vermeiden.

Börsen-Report: Stimmung verhagelt

Von Feststimmung kann in den Börsensälen trotz des für Effektenbesitzer im Grunde zufriedenstellend verlaufenen Jahres keine Rede sein.

Firmen und Fakten

Völlig überraschend hat die Commerzbank eine Schachtelbeteiligung an der Handelsbank in Lübeck (Aktienkapital 16 Millionen Mark) erworben, bei der seit Jahresbeginn die Deutsche Bank Mehrheitsaktionär ist.

Erstmals errechnet

Sievers: Das Bundeswirtschaftsministerium hat selbst errechnet, daß dafür in einem Jahr, in dem keine Verluste entstehen, ungefähr 150 Millionen Mark anfallen, müßten.

Manager und Märkte

Als der Vorstandsvorsitzende der von den landwirtschaftlichen Genossenschaften in Bayern getragenen BayWa AG, München, Professor Otmar Wasmer, in einer Münchner Zeitung las, Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl solle "Geschäftsführer seiner Firma werden", da war die Reaktion des selbstbewußten Managers recht eindeutig: "Geschäftsführer wo? In Holzkirchen oder in Rosenheim?" Denn Geschäftsführer gibt es bei der Bay Wa nur bei den Außenstellen.

Die Gesundheit wird immer teurer

Innerhalb von nur sieben Jahren haben sich die Ausgaben für die Gesundheit – soweit sie die gesetzlichen Krankenkassen betreffen – fast verdreifacht.

Zeitraffer

Wenn der Wunsch des Verbrauchers der Vater der Konjunktur ist, kann sich die deutsche Wirtschaft 1979 auf einen Auto-, Einrichtungs- und Bauboom einstellen.

Menschen auf der Flucht

Das Jahrhundert der Flüchtlinge: Nie zuvor gab es so viele entwurzelte Stämme und Volker wie heute. In notdürftigen Lagern hoffen 15 Millionen auf ein besseres Leben.

Integration ist nur ein Wort

Im Juli 1976 kam er mit seiner Familie auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen an, ein Flüchtling. Zuvor hatte der heute dreißigjährige Phung in mehreren Lagern hausen müssen.

Meine flüchtige Familie

Mein stattlicher Großvater zum Beispiel, ein kaiserlicher Obrist a. D., wurde – in Trier ansässig – während der zwanziger Jahre von den einmarschierenden Franzosen vor das freche Ultimatum gestellt, binnen 24 Stunden seine Heimatstadt zu verlassen, oder.

Weihnachten gingen wir zu Brecht

Das also ist es, und es ist mehr als ein Haus, ist ein sprechendes Fabelwesen, eine Mischung aus hoch auf den kalifornischen Felsen gestrandetem Schiff und Schatzkästlein, Feuchtwangers 1941 erbautes Haus in Pacific Palisades bei Los Angeles.

Lion Feuchtwanger:: An den Bewohner meines Hauses in Berlin

Ich weiß nicht, wie Sie heißen, mein Herr, und auf welche Art Sie in den Besitz meines Hauses gelangt sind. Ich weiß nur, daß vor zwei Jahren die Polizei des Dritten Reiches mein gesamtes bewegliches und unbewegliches Vermögen beschlagnahmt und der Reichsaktiengesellschaft für Konfiskation des Vermögens politischer Gegner (Aufsichtsratsvorsitzender Minister Göring) überwiesen hat.

Zeitmosaik

Meine Mutter hieß Helene. Wenn ich las, sagte, sie zu mir, ich sei lieb, So kaufte ich ihr zu Weihnachten 1942 "Die fromme Helene" und schrieb vorne hinein: "Von Deinem lieben Sohn Ludwig.

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