Willy Brandt und die SPD

Von Carl-Christian Kaiser

Bonn, im Dezember

Alle strebten danach, so schrieb einst August Bebel an Karl Kautsky, sich abzurackern und sich frühzeitig fertigzumachen. Er hat damit wohl eine sozialdemokratische Lebensmaxime festgehalten. Als Nachfolger und Erbe Bebels sollte Willy Brandt zu seinem 65, Geburtstag in dieser Woche gefeiert werden. Aber aus der Glückwunschcour in Bonn und den vielen Tausenden, die in die Dortmunder Westfalenhalle geladen waren, ist nur eine kleine Schar von Gratulanten am Krankenbett geworden.

Bis weit in das nächste Jahr hinein muß sich der Rekonvaleszent noch schonen. Und auch danach wird Willy Brandt nicht mehr alle Rollen und Aufgaben voll erfüllen können, die ihm aufgeladen worden sind und die er sich zugemutet hat: nicht nur als Parteivorsitzender, sondern als Parteivater und Patriarch, an der Spitze der Nord-Süd-Kommission und als Präsident der Sozialistischen Internationale, fast ein Vormann für alle in der Welt, deren Herz links schlägt.

Brandt gehört nun nicht zu jenem unter Sozialdemokraten besonders häufig vertretenen

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