Der Vater hatte entschieden: Bäcker sollte sein ältester Sohn werden. Doch schon einen Tag, nach dem der Kornwestheimer Bauer Johann Christoph Sigle seinen vierzehnjährigen Sohn Jakob bei einem Bäckermeister im Nachbarsdorf Ludwigsburg abgeliefert hatte, war der Sohn wieder daheim – ausgerissen.

Der nächste Berufsvorschlag des Vaters gefiel ihm besser. So trat im Jahre 1875 Jakob Sigle bei einem Kornwestheimer Schuhmachermeister in die Lehre. Nach Wanderjahren und Militärdienst – als Kompanie-Schuhmacher – kaufte der junge Meister Sigle in Kornwestheim ein Haus mit Grundstück zum Preis von sechstausend Mark und startete am 1. Juli 1885 seine eigene Werkstatt.

Schon bald wunderten sich die Kornwestheimer über das ungewöhnliche Geschäftsgebaren: Jakob Sigle produzierte nicht nur auf Bestellung, sondern auch auf Lager – und zwar schon bald mit fünf Gesellen. Sein Sortiment umfaßte Bundschuhe, Hackenstiefel, roßlederne Zugstiefel, Filzschuhe, Plüschschuhe aus Woll- und Seidenplüsch, Rohrstiefel und "Läppleschuhe", die aus den verschiedensten Resten hergestellt wurden.

In ganz neue Dimensionen geriet das Kornwestheimer Unternehmen im Jahre 1891, als auf einer Reise nach Stuttgart Sigle auf den Lederreisenden Max Levi stieß. Levi war bestens vertraut mit dem Schuhhandel, weit herumgekommen und ein talentierter Kaufmann. Er verfügte zudem über eigenes Kapital, das Jakob Sigle so sehr fehlte. Im Jahre 1891 wurde eine gemeinsame Firma "zum Vertrieb von Schuhwaren" gegründet: J. Sigle & Cie. Sie beschäftigte 1903 bereits 440 Mitarbeiter, die Jahresproduktion, bei der längst Maschinen eingesetzt wurden, betrug über 300 000 Paar.

Eine. weitere Begegnung sollte mindestens genauso bedeutsam sein für das Wachstum des Unternehmens. Der Berliner Schuhhändler Rudolf Moos suchte im Jahre 1903 nach einem Weg, um sein rückläufiges Geschäft wieder flottzumachen. Die Idee: Herrenschuhe – sprich Stiefel – zu dem niedrigen Einheitspreis von 12,50 Mark anzubieten. Stiefel kosteten damals immerhin rund zwanzig Mark.

Die Firma J. Sigle & Cie. ging aus dem Wettbewerb als Sieger hervor. Und Moos hatte noch eine weitere verkaufsfördernde Werbeidee. Seine Schuhe sollten alle unter einer einprägsamen Markenbezeichnung verkauft werden. Schon im Jahre 1899 hatte er Wort und Zeichen des Salamander beim Reichspatentamt schützen lassen und zwar für "Chemische Appretur und Putzmittel, ausschließlich mechanischer, wie zum Beispiel Schmirgel und dergleichen". Im Jahre 1904 ließ Moos sich das Zeichen erneut schützen, diesmal für "Schuhwaren, Leisten, Senkel, Bänder".

Max Levi begriff die Tragweite der Moos’schen Ideen. Eigene Schuhgeschäfte im gesamten Reich könnten die Produktion verstetigen helfen, machten den Vertrieb kostengünstiger und unterstützten gleichzeitig auch Werbung und Absatz. 1905 wurde mit Moos gemeinsam die Firma Salamander-Schuhgesellschaft gegründet. Sie wurde die Basis für ein weitverzweigtes Kaufstellennetz, das heute über 130 Salamander-Geschäfte umfaßt.