"Traumzeit – über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation", von Hans Peter Duerr. Das Buch ist, gelinde gesagt, fragwürdig. Ethnologie und Timothy Learys Politik der Ekstase geraten in einem fort durcheinander. Hans Peter Duerr will uns einreden, wir sollten mit unserem Wellensittich ein innigeres Verhältnis eingehen, weil besagter Vogel ein verwunschener Prinz, der Traum eines "brujo" und auf jeden Fall der bessere Mensch sein könnte. Richtig daran ist, daß man die Stimme der Natur nie und nimmer ins Disneyhafte übersetzen soll. Falsch ist, daß hier das Opium des Volkes als Vollkornbrot angeboten wird. Warum man das Buch trotzdem lesen soll: endlich entwickelt ein deutscher Professor Humor und Selbstironie. Man hat, trotz 242 Seiten voller Anmerkungen und Literaturnachweise, stets das Gefühl, dieser Gelehrte sei beim Schreiben wiederholt von Lachanfällen geschüttelt worden. Nicht zuletzt handelt es sich, wie Duerr in einer Selbstanzeige sagt, um ein bewußt inszeniertes Gegenstück zur wissenschaftlichen Trostlosigkeit. Zwischen dem also, was Duerr vorträgt, einen skeptischen Irrationalismus, durchsetzt mit Animismus und Feyerabend, und der Vortragsweise besteht ein Bruch, der dem Buch paradoxerweise zum Vorteil gereicht. Auch wenn man die Thematik und die Beweisführung ablehnt: könnte man von Duerr nicht lernen, eine Diskussion witzig, gebildet und menschenfreundlich, das heißt: wie unter Erwachsenen zu führen? (Syndikat, Frankfurt, 1978; 410 S., 25,– DM.)

Hans Platschek.