Dscheden Tach is’ was mit der S-Bahn. Bei acht Grad über null geht es los. Laß ein bißchen Nebel dazukommen oder ein paar Gramm Schnee – schon ist es ein Glück, wenn man in einem Rutschdurchkommt von Pinneberg nach Hamburg Hauptbahnhof. Wir sollen ja park-and-riden, um den Individualverkehr zu entlasten; wir wollen das auch gern tun, denn es könnte so gemütlich sein im warmen Zug, mit Lesen oder Dösen, bis man da ist. Aber schon das Parken ist schwierig.

Da steht man also morgens auf dem zugigen Bahnhof und merkt gleich, daß der Zug wie üblich Verspätung hat. Aber er kommt nicht etwa später, sondern gar nicht. Er ist "wegen Betriebsstörung" ausgefallen. Muß man eben zehn Minuten länger warten.

Wenn man abends nach Hause will, wird man unterwegs auf einem Bahnhof ausgesetzt, weil "der Zug defekt" ist. Muß man eben wieder warten. Und dann werden in einem Zug die Fahrgäste von zweien transportiert.

Zwischen Hamburg und Pinneberg verkehren zwei Arten von Zügen: alte und neue. Wer mit einem alten fährt, kann sich glücklich schätzen; er sitzt bequem in einem gemütlichen Abteil. Allerdings: Um wieder hinauszukommen, muß er jung sein und kräftig wie ein Gewichtheber, denn nur schwer lassen sich die Türen öffnen.

Anders ist es mit den Türen in den neuen Zügen: Ein Fingertip genügt, und schon springen me auf – ganz das Richtige. für Senioren. Aber das Zukriegen, das ist nun wieder gar nicht einfach und nichts für alte Leute. "An kalten Tagen die Türen schließen, dabei beide innere Griffe gleichzeitig andrücken." Das mach mal – wenn die Tür sperrangelweit offensteht. Wer ist schön ohne Tasche oder Einkaufstüten unterwegs? Nicht einmal, mit Hin- und Herspringen à la Rumpelstilzchen ist das zu schaffen. Also, bleiben die Türen offen, bis der Fahrer sie "selbsttätig" schließt, und bis dahin ist es ziemlich kalt geworden.

Auch das Sitzen in so einem neuen Wagen will gelernt sein. Einfach Platz nehmen – so geht das nicht. Man muß sich arrangieren mit seinem Sitz, der genau da, wo man am meisten Platz braucht, nämlich in Höhe des Gesäßes, eine Verdickung im Rückenpolster hat, die die Sitzfläche genau, um das für die Bequemlichkeit erforderliche Maß verkleinert. Man liegt halb schräg und hofft, daß man allein bleibt auf der Bank, oder man entscheidet sich für den gestrafften Gouvernantensitz.

Der aber ist nicht ohne Risiko. Denn ohne rechten Halt und mit geringer Bodenhaftung ist man dem Kommenden schutzlos ausgeliefert: bei jedem Anfahren nämlich wird der Fahrgast zweimal fast von seinemSitz gezogen durch einen Ruck, der den Körper wie ein großartiger Schluckauf durchschüttelt. Ein Triebwagenfahrer hat mir einmal verraten, das hinge mit dem Getriebe zusammen. Nun weiß ich also, warum ich durchgeschüttelt werde, aber das erhöht den Beförderungskomfort auch nicht.