Als der Vorstandsvorsitzende der von den landwirtschaftlichen Genossenschaften in Bayern getragenen BayWa AG, München, Professor Otmar Wasmer, in einer Münchner Zeitung las, Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl solle "Geschäftsführer seiner Firma werden", da war die Reaktion des selbstbewußten Managers recht eindeutig: "Geschäftsführer wo? In Holzkirchen oder in Rosenheim?" Denn Geschäftsführer gibt es bei der Bay Wa nur bei den Außenstellen. Im Vorstand des Unternehmens jedenfalls ist kein Platz frei. Und über eine Berufung des Ministers in dieses Gremium ist auch nichts bekannt.

Mehr als "lose" soll die Kooperation, die soeben zwischen dem Gütersloher Mediengiganten Bertelsmann und dem Offenburger Zeitschriftenkoloß Burda beschlossen wurde, – nicht sein. Ein Bertelsmann: "Keine kartellrechtlichen Konsequenzen." Doch der Pakt ist nicht gerade ohne: Gemeinsam wollen die Verlage Buchprojekte realisieren, die zunächst in den Burda-Blättern Bunte, Mein schöner Garten, Freizeit-Revue und Freundin als Serien oder Vorabdrucke erscheinen. Wenn die Bücher – unter dem Zeichen der Burda-Titel – am Markt sind, kann wiederum in den Zeitschriften für die Bertelsmann-Bücher geworben werden.

Mit den Zeitschriften Brigitte, Schöner Wohnen und Capital der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr macht Bertelsmann bereits ähnliche Geschäfte. Nur der stern macht seine Bücher selbst – ein Dorn in Gütersloher Augen?

Über die nunmehr im dritten Jahr defizitäre US-Tochtergesellschaft Ruhr-American-Coal-Corporation gibt es Krach bei der Ruhrkohle AG. Im Aufsichtsrat widersetzten sich die Arbeitnehmervertreter bei der kostspieligen Sanierung des Unternehmens, das Kohlengruben in Virginia und Kentucky betreibt. Schon beim Einstieg in das amerikanische Kohlengeschäft hatte die IG Bergbau und Energie Bedenken geäußert, weil sie um die Sicherheit der Arbeitsplätze im Ruhrbergbau fürchtete. Jetzt will die Gewerkschaft, die mit ihrem Vorsitzenden Adolf Schmidt den stellvertretenden Vorsitzenden des Ruhrkohle Aufsichtsrats stellt, verhindern, daß in Bonn lockergemachte Subventionen zur Sanierung der ungeliebten US-Tochter verwendet werden. Das Aufsichtsratspräsidium versagte seine Zustimmung zu dem von Ruhrkohle-Chef Karlheinz Bund vorgelegten Sanierungsplan.

Solidaritätsaktionen für streikende Kollegen müssen nicht immer gleichbedeutend mit Kampfhandlungen sein. Dea Beweis trat in dieser Woche die IG Metall von Baden-Württemberg an. Zusammen mit allen DGB-Gewerkschaften des Landes versorgten sie die aktiven Helfer im Streikgebiet Nordrhein-Westfalen mit Weihnachtspäckchen. Am Mittwoch morgen um vier Uhr früh zog die Wagenkolonne aus dem Südwesten los. Elf Orte im Streikgebiet wurden mit insgesamt 12 000 Päckchen versorgt. Elf Fahrzeuge, vom Sattelschlepper bis zum Kleinbus, lieferten die Weihnachtsüberraschung in den örtlichen Streikleitungen ab. Rund 200 bis 300 Helfer gingen mit auf die Reise gen Norden. Großbäckereien im ganzen Ruhrgebiet hatten für die Aktion die Christstollen gebacken. Dazu packten Freiwillige aus dem ganzen Land Orangen, Wein und Schokolade. Insgesamt haben die Baden-Württemberger rund 250 000 Mark für ihre Weihnachtsexpreß-Aktion bei den Kollegen in den Betrieben gesammelt.

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Im Südwesten der Bundesrepublik wird es im nächsten Jahr eine neue Sonntagszeitung geben. Die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten und die in Ludwigshafen erscheinende Rheinpfalz planen das vor zwei Jahren schon einmal zurückgestellte Projekt jetzt als siebte Ausgabe ihrer Blätter mit selbständiger Redaktion in Stuttgart. Der genaue Starttermin steht noch nicht fest. Die Abonnenten sollen für die Sonntagszeitung nicht zur Kasse gebeten werden, versichert Eugen Kurz, Verwaltungsratsvorsitzender der Stuttgarter Zeitung und designierter Geschäftsführer der noch zu gründenden neuen Verlagsgesellschaft. Kurz will die Zeitung für weitere Partner offenhalten – die muß er allerdings auch bald finden, wenn er das noch für 1979 anvisierte Auflagenziel von 750 000 bis eine Million erreichen will. Die drei Gründer erreichen gemeinsam nur knapp 500 000. Mit weiteren Kandidaten wird aber schon gesprochen.

Kurz betont den "medienpolitischen Akzent", da der Markt für Sonntagszeitungen bisher fast ausschließlich von Springers Bild am Sonntag und Welt am Sonntag beherrscht werde. Er erhofft sich von der siebten Ausgabe "eine weitere Verbesserung der Leserbindung". Die scheint in Stuttgart auch nötig, wie die unterdurchschnittliche Auflagenentwicklung der beiden Tageszeitungen zeigt. Richard Gaul