Sophia, ich hasse sie", schrieb ein Mailänder Leser an die Tageszeitung Corriere della Sera. Es gäbe nur ein Mittel, die Devisensünderin Sophia Loren und ihren Mann Carlo Ponti zu bestrafen: Italien solle den Filmstar und den Regisseur völlig vergessen und nie wieder etwas über die beiden berichten.

Italiens Justiz ist anderer Ansicht. "Dieser Carlo Ponti", ereiferte sich Staatsanwalt Paulino dell’Anno, "ist das typische Produkt einer Welt, die als einziges Ideal die Bereicherung kennt und der Gemeinschaft gegenüber keinerlei Verpflichtungen spürt." Vor einem römischen Gerichtshof konstatierte der Staatsanwalt, daß Carlo Ponti und seine schöne Ehefrau Sophia Loren, geborene Scicolone, der Republik Italien Devisen im Betrag von mehreren Milliarden Lire vorenthalten haben. Für Carlo Ponti fordert der öffentliche Ankläger eine Geldstrafe von umgerechnet 72 Millionen Mark. Das ist die höchste Geldstrafe, die je vor einem italienischen Gericht beantragt wurde. Außerdem soll Carlo Ponti für drei Jahre hinter Gitter.

Milde ließ Paulino dell’Anno, wegen seiner strengen Anträge auch Paulino l’ergastolino (Paulino der "Lebenslängliche") genannt, gegenüber Sophia Loren walten. Sie habe zwar Kunstwerke aus ihrem Besitz im Wert von 7,2 Millionen Mark ins Ausland geschafft, doch ließ der Staatsanwalt die Anklage gegen den Star fallen. Auch die Filmschauspieler Ava Gardner, Carol Levis, Richard Harris und andere kamen mit einer Einstellung des Verfahrens davon: Ihre Schuld bestand darin, daß sie sich für Dreharbeiten, die in Italien durchgeführt worden waren, im Ausland und in Devisen bezahlen ließen.

Der erste große Musterprozeß auf Grund des noch jungen Devisengesetzes 159 brachte aber gleich zu Anfang eine weitere Überraschung: Von den elf mitangeklagten Bankmanagern, darunter einigen Direktoren staatlicher Kreditinstitute, kamen zehn mit einem blauen Auge davon.

Der Staatsanwalt hielt nur gegenüber einem die Anklage aufrecht; er habe die Devisengesetze verletzt, indem er Ponti bei der Errichtung eines laufenden Kontos mit zwei Millionen Mark Einlage im Ausland verholfen habe. Beobachter vermuten, dies sei geschehen, um nicht in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, auch das staatliche Bankensystem nähme es mit der Einhaltung der Devisenvorschriften nicht so genau. Daneben blieb nur noch Robert van Dahlen auf der Anklagebank, Vertreter deutscher Filmgesellschaften in Italien, den der Staatsanwalt als Komplizen von Ponti mit einem Jahr Gefängnis und 2,4 Millionen Mark bestraft sehen möchte.

Kapitaler Wirtschaftshai ohne Skrupel oder weltläufiger Intellektueller, der unschuldig ins Paragraphennetz geraten ist: Diese Frage hat das römische Gericht voraussichtlich bis Mitte Januar zu klären. Carlo Ponti, der Hauptangeklagte, bestreitet von seinem Pariser Wohnsitz in der Rue Georges V. ganz entschieden, auch nur eine einzige Lira illegal über die Alpen gebracht zu haben. "Wenn wir schon von Devisen sprechen, dann kann man höchstens sagen, daß ich zur Genüge Geld, Arbeit und Prestige nach Italien gebracht habe", erklärte der zehnfach mit dem Oscar Prämiierte einem Interviewer der Mailänder Wochenschrift L’Espresso.

Das Ehepaar Ponti fühlt sich deshalb als Opfer einer italienischen Sühnekampagne, weil es als einstmals prominentester römischer Devisenbringer und Steuerzahler die französische Staatsbürgerschaft der angestammten vorgezogen und die Heimat für immer verlassen hat.