Der jetzige Zustand ist hervorgebracht worden von unseren Vätern und Vorvätern. Sie waren und sind die Handwerker der Welt und tragen damit die Verantwortung für das, was sie bewußt und unbewußt vollbracht haben. Die Fehler, die sie machten, werden uns als Last aufgebürdet; das Gute, das sie geschaffen haben, verschönert unser Leben. So oder so trägt eine Generation immer die Folgen der vorangegangenen. Solange das Erschaffene positiv .bewertet wird, tragen unsere Väter nur Verantwortung; wenn aber das Negative überwiegt, tragen sie Schuld. Der Ausverkauf der Welt hat begonnen, die natürlichen Ressourcen werden knapp, der Freiraum der Natur verschwindet. Meine Generation wird mit diesen und anderen Problemen konfrontiert werden. Wird es uns gelingen, das Ruder herumzureißen, oder werden wir einst vor dem Kadi unserer Kinder stehen, die dann uns mit vollem Recht zur Rechenschaft ziehen werden?

Karsten Metzlaff, 19 Jahre

Väter und Kinder sollten sich in gemeinsamen Gesprächen mit der politischen Vergangenheit auseinandersetzen. Bei diesem Thema wird aber unausweichlich die Frage auftauchen: "Was hast du denn damals gemacht, warum hast du nichts unternommen?" In den meisten Fällen lautet die Antwort, es sei unmöglich gewesen, gegen den Strom zu schwimmen, und die Bevölkerung sei nicht genügend informiert gewesen. Diese Antwort klingt in den Ohren unserer Generation enttäuschend. Doch darf man nicht außer acht lassen, daß wir die damaligen Zeitumstände schlecht nachvollziehen können. Es wäre falsch und unfair, die Passivität unserer Väter zu verurteilen. Erst wenn wir ähnliche Zeiten besser gemeistert haben, dürfen wir uns ein Urteil erlauben. Petra Römer, 17 Jahre

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Rechenschaft von der Generation unserer Väter fordern? Für eine Sache, die jetzt schon über dreißig Jahre zurückliegt? Ein in meinen Augen etwas waghalsiges Unternehmen, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen die damals Zwanzig- oder Dreißigjährigen in das Chaos des Zweiten Weltkrieges rutschten. Kann man darüber hinaus Rechenschaft von Menschen fordern, die als Jugendliche von der Propagandamaschine der Nazis aufgesogen, malträtiert und schließlich als gefügige Opfer wieder ausgespuckt wurden? Natürlich ist jeder, der damals schwieg, dem Unrecht und Terror nicht wenigstens in Gedanken entgegenstand, in irgendeiner Form schuld an den Verbrechen des Dritten Reiches. Doch wer will die Schuldfrage heute noch endgültig klaren?

Manfred Resch, 17 Jahre

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