Die mit offenen Visieren geführte Schlacht ist geschlagen, die Wunden werden kosmetisch behandelt, damit keiner sein Gesicht verliere: Der Bundestag hat ein "Reisevertragsgesetz" verabschiedet, das Opposition und Reisebranche gerne verhindert hätten. Noch vor einigen Wochen, auf der Jahrestagung des Reisebüro-Verbandes in Zürich, hatte ein Ministerialbeamter verheißen, das gefürchtete Gesetz sei vom Tisch, so wie es von der Koalition angekündigt war. Das war Rabulistik. Aber sprachgewandt erweist sich nun auch der Verband: Das sei ja wohl kein richtiges Gesetz, eher eine Änderung des Werkvertragsrechts, und damit könne man leben.

Das Justizministerium sieht es anders. In Bonn ist deutlich vom Gesetz die Rede, einem Gesetz, das den ersten Schritt zur Modernisierung des (zur Jahrhundertwende entstandenen) Schuldrechts bedeute. Für die Touristen bedeutet dies eine einklagbare Festlegung von Rechten, die ihnen viele Richter bereits seit geraumer Zeit zusprachen und die größere Reiseveranstalter schon freiwillig in ihr "Kleingedrucktes" aufnahmen.

Kern des Gesetzes ist die These, daß Reiseveranstalter ihre Ferienangebote so gestalten müssen, daß alle im Katalog genannten Leistungen erfüllt werden. Wenn das nicht geschieht, kann der Kunde eine Preisminderung verlangen, sofern er dem Reiseveranstalter seine Klagen unmittelbar mitgeteilt hat. Am Ferienort kann den Mißständen allerdings auch Abhilfe geschaffen werden.

Die dafür "angemessene Frist" liegt beispielsweise bei einer dreitägigen Fahrt bei etwa drei bis vier Stunden, bei einer vierwöchigen Tour bei etwa drei bis vier Tagen. Ist diese Frist verstrichen, kann der Kunde auch auf eigene Faust für Abhilfe sorgen, sich beispielsweise ein entsprechendes Hotelzimmer besorgen oder einen Platz in einem Flugzeug. Die Mehrkosten hat dann der Reiseveranstalter zu tragen.

Wenn eine Reise wegen solcher Mängel "erheblich beeinträchtigt" wird, kann der Reisende den gesamten Buchungsvertrag mit dem Veranstalter kündigen. Dann darf letzterer für die schon erbrachten wie für die notwendig noch zu erbringenden Leistungen (etwa den Heimflug) nur einen Teil des vereinbarten Preises fordern.

Die heute meist gebräuchliche Rücktrittsregelung, die oft mit einem entsprechenden Versicherungsvertrag finanziell abgesichert ist, wird gesetzlich festgeschrieben: Beim Rücktritt von einer gebuchten Reise kann der Veranstalter eine angemessene Entschädigung verlangen. Im Fall "höherer Gewalt" können beide Partner ihren Reisevertrag kündigen. Die Veranstalter sind dann gegebenenfalls aber noch zum Rücktransport ihrer Kunden verpflichtet. Sie können jedoch nicht mehr den vollen Reisepreis fordern. Mehrkosten aus solchen Umständen gehen zu Lasten des Urlaubers, ausgenommen sind die Rückreise-Mehrkosten. Die tragen beide Partner gemeinsam.

Grundlage all dieser Rechtsansprüche ist, daß der Geschädigte innerhalb eines Monats nach dem vorgesehenen Ende der Reise seine Forderungen beim Partner geltend macht.