Von Feststimmung kann in den Börsensälen trotz des für Effektenbesitzer im Grunde zufriedenstellend verlaufenen Jahres keine Rede sein. Die in diesem Ausmaß nicht erwartete Ölpreiserhöhung, der neuerliche Dollarkursverfall, die Härte des Tarifkampfes in der Stahlindustrie, die von der Bundesbank verfügte Kürzung der Rediskontkontingente und die Schwäche am Rentenmarkt bilden Belastungsfaktoren, die zwangsläufig Spuren hinterlassen.

Noch haben nicht alle Börsianer die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Aktienhausse aufgegeben. Aber die Zahl der Optimisten schrumpft. Immer mehr Banken raten ihrer Kundschaft, im Fall noch einmal steigender Aktiennotierungen Kursgewinne sicherzustellen. Dahinter steckt die Furcht, daß die Härte der diesjährigen Tarifrunde die gerade erst erwachende Investitionsneigung wieder zum Einschlafen bringt und daß dann in der zweiten Jahreshälfte ein neues staatliches Konjunkturförderungsprogramm notwendig werden wird. Seine Finanzierung dürfte den ohnehin schon an die Grenze der Belastbarkeit angelangten Kapitalmarkt vor erhebliche Probleme stellen und eine Zinserhöhung noch wahrscheinlicher machen.

Wenn größere Umsätze auf den Aktien- und Rentenmärkten in diesen Tagen ausgeblieben sind, dann hängt dies mit den weitgehend abgeschlossenen Bilanzierungsarbeiten zusammen. Veränderungen im Portefeuille würden jetzt nur störend wirken. Das schließt nicht aus, daß institutionelle Anleger bei günstigen Kursen auch einmal zugreifen. Sie beenden ihre Aktivitäten aber sofort, wenn sich die Kurse nach oben in Bewegung setzen.

Am Rentenmarkt ist die Situation ähnlich. Nur sind hier die Anleger noch schwieriger aus ihrer Reserve herauszulocken. Sie fühlen sich in der stärkeren Position, weil der Zins unverkennbar wieder anzieht und Warten Geld zu bringen scheint. K. W.