ffengestanden hatte ich sie ganz gern betrachtet, die jungen, jeansbehosten Blondinen mit ihren supermännlichen Begleitern auf den schnittigen Booten, hoch zu Roß oder beim trauten Spaziergang in unberührter Natur. Und es hatte mich nicht gestört, daß diese braungebrannten, knackig gesunden Naturkinder auf den Plakaten in der U-Bahn-Station oder in den Illustrierten-Anzeigen Zigaretten in den Händen hielten. Bei soviel strahlendem Frohsinn – wer mag da an Lungenkrebs oder Herzinfarkt denken?

Bald wird es die bunten Bilder nicht mehr geben, und auch die lustigen Raucherwitzchen, die uns ein Zigarettenmacher gerade in einer Reklameserie erzählt, werden nicht mehr lange erscheinen. Denn ein Wissenschaftler in Indiana hat bewiesen, daß Zigarettenwerbung absolut unwirksam ist, also unnütz für die Zigarettenhersteller. Und sie wissen es genau, weil sie selbst diese Erkenntnis verbreiten.

Es fügt sich, daß sie dies just in dem Augenblick tun, da unsere Gesundheitsministerin amtlich rügen ließ, die Tabakwerbung werde immer aggressiver und also gefährlicher für unsere Jugend. Wie dumm steht das Bonner Ministerium jetzt da – man sollte eben in Bonn sorgfältiger die wissenschaftliche Literatur aus Amerika lesen.

Das tun die Zigarettenfabrikanten seit langem schon sehr gründlich. Sie tun es für uns Journalisten, damit wir uns gar nicht erst durch die schwierige Original-Literatur durchwursteln müssen, sondern in gefällig-verständlicher Form aktuell darüber belehrt werden, was die Wissenschaft vom Tabak an neuen Erkenntnissen vorzuweisen hat. Das ist durchweg erfreulich. Wer mir noch erzählen will, Rauchen sei schädlich, dem gebe ich meinen "Tabakwissenschaftlichen Informationsdienst" zu lesen, den mir die großzügigen Zigarettenproduzenten kostenlos ins Haus schicken. Dabei legen sie auch noch Bescheidenheit an den Tag: Sie geben sich nicht einmal als Herausgeber zu erkennen.

Da lesen wir nun auf tabakfarbenem Papier, daß die von der Anti-Tabak-Propaganda hochgespielte Krebsgefahr durch den Zigarettenkonsum halb so wild und das Paffen überhaupt kein Risikofaktor für den Herzinfarkt ist. All dies seien Ergebnisse streng wissenschaftlicher Forschung. So auch die Unwirksamkeit der Tabakreklame. Niemanden. regt sie zum Rauchen an und schon gar nicht etwa Jugendliche, das hat Professor Levitt in Indiana "bewiesen". –

Also wird man künftig keine Zigarettenreklame mehr sehen. Denn unnütz Geld ausgeben mögen auch Zigarettendreher nicht gern. Wie sparsam sie sind, trat erst neulich zutage.

Ein pfiffiger Glimmstengelwerber hatte sich etwas Hübsches einfallen lassen: Berühmte Raucher. Die stellte er in einer Reklameserie den Zeitschriftenlesern vor. Zum Beispiel Sir Winston Churchill und Thomas Mann, dessen Besorgnis um seine Gesundheit spätestens seit Erscheinen seines Tagebuchs hinlänglich bekannt ist.