Norbert Miller: "Archäologie des Traums." Was Norbert Miller in diesem Buch unternimmt, ist der – in diesem Umfang und in dieser Konsequenz noch nie gemachte – Versuch, die einigende Idee in dem vielgestaltigen Œuvre des venezianischen Architekten und Graphikers Piranesi aufzuspüren. Er rekonstruiert aus den kargen Zeugnissen seiner Biographie und den Indizien seiner Kunst die Physiognomie und Denkweise des Mannes, der seinen Zeitgenossen rätselhaft und unheimlich war und seit zweihundert Jahren nicht aufgehört hat, die europäischen Schriftsteller zu faszinieren. Miller hält sich dabei an die Fakten, die von der internationalen Forschung von Henri Focillon bis John Wilton-Ely bereitgestellt wurden. Er beschreibt jedoch nicht abermals das Werk dieses Michelangelos der Radierung", sondern zeigt, wie dieser, mit jedem Blatt revolutionär in die ästhetischen und historischen Diskussionen des 18. und 19. Jahrhunderts eingegriffen hat, und fast als erster wie ein Seismograph auf die Veränderungen im Bewußtsein der Aufklärungsära reagiert hat. Dieses Buch, das hervorgegangen ist aus mehrjährigen Studien Millers zur Vorgeschichte der Romantik des 18. Jahrhunderts wird auch den Kenner der "Veduten", der "Kerker"! und der großen archäologischen Stichfolgen Piranesis neue Zugänge zum Werk dieses faszinierenden Künstlers eröffnen. ("Versuch über Giovanni Battista Piranesi"; Hanser, München, 1978, 492 S., 84 Abb., Ln., 89,– DM.)