Trotz. Verschiedener Reformen ist die Steuergesetzgebung ein Irrgarten für den Bürger geblieben Es gehört sehr viel Sachverstand dazu, um alle staatlichen Förderungsmöglichkeiten auszuschöpfen oder unnötige Steuerzahlungen zu vermeiden. Zu diesem Thema einige Hinweise.

Zwar sind Banken und Sparkassen schon, seit Wochen bemüht, ihre Kundschaft über die ihr möglicherweise zustehenden staatlichen Wohltaten zu unterrichten. Es gibt aber sehr viele Leute, meine verehrten Leser, die sich erst zwischen Weihnachten und Neujahr überlegen, inwieweit sie die staatlichen Förderungsmöglichkeiten ausgeschöpft haben. Und nicht wenige werden feststellen, daß sie in diesem Jahr so gut verdient haben, daß sie aus der staatlichen Förderung herauszufallen drohen. Maßgebend ist in der Regel die berühmte 24 000-Mark-Grenz für Alleinstehende und 48 000 Mark für Eheleute. Diese Grenze erhöht sich für jedes Kind um 1800 Mark, wenn es Anfang 1978 das 17. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte beziehungsweise 1978 geboren worden ist.

Was nun aber tun, wenn das Jahreseinkommen in die Nähe der Höchstgrenzen gerät? Zunächst sollte man wissen, daß die Grundlage für die Ermittlung der Einkommensgrenze das "versteuerte Einkommen" ist, also nicht das Brutto-Einkommen. Dabei gilt für die Gewährung von Sparprämien und Wohnungsbauprämien das zu versteuernde Einkommen in dem Kalenderjahr, das dem der Sparleistung vorangeht. Wer also 1977 unter der Höchstgrenze geblieben ist, kann in diesem Jahr die Prämien noch in Anspruch nehmen, selbst wenn er erkannt hat, daß das Einkommen 1978 die für ihn geltende Höchstgrenze überschreiten wird. Das ist gerade für freiberuflich Tätige wichtig, die am Jahresende kaum abzuschätzen vermögen, wie hoch ihr versteuertes Einkommen war.

Bei den Arbeitnehmer-Sparzulagen für "vermögenswirksame Leistungen" sind demgegenüber die Einkommensverhältnisse in dem Kalenderjahr maßgebend, in dem die Leistungen erbracht werden. Nun kommt es immer wieder vor, daß Vergünstigungen nur deshalb verlorengehen, weil die Einkommensgrenzen um wenige Mark überschritten werden. Wo diese Gefahr droht, sollte niemand die Mühe scheuen, schon jetzt das zu versteuernde Jahreseinkommen zu ermitteln. Denn nur noch bis zum Jahresschluß lassen sich Korrekturen am Einkommen vornehmen. Möglicherweise durch erhöhte Werbungskosten, durch Ausnutzen des erweiterten Sonderausgabenrahmens – und, wenn alles andere nicht möglich ist, vielleicht durch Spenden. Die "gute Tat" kann sich für den Spender selbst zur Wohltat auswachsen.

Wenn alles nichts hilft, muß der Verlust Staatlicher Vergünstigungen mit Fassung getragen werden. Und mit Vernunft. Denn Wer verärgert den vermögenswirksamen Sparvertrag vorzeitig auflöst, muß die aufgelaufenen Prämien zurückzahlen, zusätzlich auch die kassierten Sparzulagen. Möglicherweise wird auch der Arbeitgeber die von ihm erbrachten vermögenswirksamen Leistungen zurückfordern.

Es ist auf alle Falle besser, den vermögenswirksamen Sparvertrag aufrechtzuerhalten, auch wenn die vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers nicht mehr sparzulagenbegünstigt sind. Auf die Sparzulage muß bei Uberschreiten der Höchstgrenzen schon in diesem Jahr verzichtet werden, auf die Sparprämie erst im kommenden Jahr. Wichtig ist, daß der Vertrag weiter läuft, so daß der Sparer – sollten seine Einkünfte wieder unter die Höchstgrenze sinken – sofort wieder Sparzulagen und Prämien erhält, ohne einen neuen Vertrag mit neuen Festlegungsfristen abschließen zu müssen,

Die Bausparkassen machen darauf aufmerksam, daß bei Überschreiten der Einkommensgrenze möglicherweise vom Konten- auf Bausparen umgestiegen werden kann, weil die Sparleistungen auf Bausparverträge auch nach Überschreiten der Grenze im Rahmen der beschränkt abzugsfähigen. Sonderausgaben berücksichtigt werden. Dies setzt allerdings voraus, daß der Sonderausgabenrahmen nicht schon durch andere Leistungen (Versicherungsprämien u. ä.) voll ausgeschöpft ist. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, daß Bausparguthaben, die im Rahmen der Sonderausgaben gespart werden, auf zehn Jahre festgelegt werden müssen, falls sie nicht für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.