Hamburg

Pfarrer Jan Sliwanski, Seelsorger für polnisch sprechende Katholiken in Hamburg und Umgebung und Rektor des Hamburger Marienkrankenhauses, äußerte in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Besorgnisse, die das Kirchenamt nicht teilt und denen es sogleich heftig widersprach.

Es geht darum, wie es die in den letzten Jahren als Umsiedler aus der Volksrepublik Polen in die Bundesrepublik Deutschland gekommenen Katholiken hier nun mit ihrer Kirche halten. Und da machen Pfarrer Sliwanski und Ordinariatsrat Pfarrer Heinz Joachim Justus, der ihm für das Kirchenamt antwortete, offenbar sehr verschiedene Erfahrungen.

Unbestritten ist, daß die Katholiken in Polen ihrer Kirche in kaum erschütterter Tradition innig und eng verbunden sind, die Minderheit deutscher Abstammung nicht anders als die Polen selber. Unbestritten ist auch, daß die Kirche, wie sie die Umsiedler hier erleben, auf sie kühl und nüchtern wirkt und viele, zumal in der ersten Zeit, dort nicht finden können, was die Gemeinde in der alten Heimat für sie war, ein Stück warmer Geborgenheit.

Pfarrer Sliwanski beobachtet, daß viele Umsiedler aus Polen hier nicht den Kontakt zur Kirche finden, sich ihr entfremden und innerhalb ihres ersten Jahres in der Bundesrepublik aus der Kirche austreten. Ursächlich dafür, meint er, sei das vom materiellen Streben geprägte Leben hier, das Dominieren von Leistung und Erwerb, die Tatsache, daß Alltag und Erziehung ohne Religion sind. Von unserer verweltlichten Art des Lebens wurden die Neubürger, anfangs noch verwirrt und enttäuscht, mitgezogen.

Pfarrer Justus, der bis 1978 zehn Jahre lang Seelsorger im Hamburger Außenbezirk Bergedorf war, wo sich ein großes Übergangslager für Umsiedler befindet, hat solche Erfahrungen nicht gemacht Und eine Umfrage des Kirchenamtes bei fünf Hamburger Gemeinden in Stadtteilen, wo in Lagern oder schon in Wohnungen viele Umsiedler wohnen, ergab, daß dort seit 1976 nur fünfzehn aus Polen gekommene Katholiken aus der Kirche ausgetreten sind, "wobei noch nicht einmal feststeht, ob darunter nicht solche sind, die schon seit zwanzig oder mehr Jahren in Deutschland leben".

Die Umsiedler aus Polen kamen "im Rahmen der Familienzusammenführung" in die Bundesrepublik. Sie sind deutscher Abkunft und waren in Polen als Minderheit massiven Benachteiligungen ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb sind sie hier, und sie sind Staatsbürger der Bundesrepublik geworden. Das Stigma, etwas anderes zu sein als die Mehrheit, sind sie damit nicht losgeworden, zumal diejenigen nicht, die nicht Deutsch sprechen, was für die meisten der unter vierzig Jahre alten zutrifft. (Nur etwa elf Prozent der Umsiedler sind älter als sechzig, fast vierzig Prozent unter zwanzig Jahre alt.)