Der stramme Max – Seite 1

Anna und Max genüßlich in den Ehebetten, Max! liest eine Zeitung, Anna ein Buch. Gemütliche Szene.

MAX Jetz is schon wieder einer abgstürzt.

ANNA Wer?

MAX So ein Starfighter-Pilot. (liest) Und das mit 23 Jahren, der 197igste! (schüttelt den Kopf, kleine Pause) Wenn das jetz unser Sohn sein tat? (schaut zu Anna) (Pause)

ANNA Ja, das sind Schicksalsschläge! (nickt)

MAX Genau. Aber beim Barras is halt immer, noch die beste Möglichkeit, daß man sein Kind was lernen läßt, ohne daß was kost. (kleine Pause) Natürlich nur, wenn man einen Sohn hat.

ANNA Bei die Judn sind auch die Frauen beim Militär.

Der stramme Max – Seite 2

MAX Aber es is unnormal. (Pause)

ANNA (schaut)

MAX Wenn er nicht abgstürzt war, derjenige, und es erwartn hätt können, dann tat er später einmal Lufthansa-Pilot werdn können. Das is schon was, ein Pilot.

ANNA Und dann is er vorlaut und wird erschossen, wie der in Mogadischu.

MAX Mein Gott, ein Pilot, das is ebn gefährlich, das hätt man ihm natürlich sowieso vorher sagn müssn, bevor er sich zur Luftwaffe gemeldet hätt.

ANNA Wem?

MAX Dem in der Zeitung halt, weil der wird ja auch Eltern habn.

Der stramme Max – Seite 3

ANNA Wer hört schon auf seine Eltern.

MAX Mehr wie raten kann man nicht, sogar, wenn es der eigne Sohn is. (kleine Pause) Was in die Eltern jetzt vorgeht?

ANNA Schicksalsschläge, sag ich doch.

MAX (nickt) (Pause)

MAX Ob in unserer Familie auch ein fliegerisches Talent sein tat?

ANNA Man kann alles lernen.

MAX Na ja – die Fliegerei, das is schon ein Spezialthema. (Pause)

Der stramme Max – Seite 4

MAX Obs das gibt, ein Lebn nach dem Tod?

ANNA Was?

MAX Obs das gibt, ein Lebn nach dem Tod? Daß man wen gern hat, und der stirbt, und eines Tages sieht man sich wieder (lacht) – in die ewign Jagdgründe – und lacht und sagt: "Da bist ja, wo warst denn so lang?" – Das war ein Trost für die Eltern, wenn man es sicher wüßt! (Pause).

MAX Aber das Vaterland braucht ebn seine Opfer, auch im Friedn, das muß man wissn, wenn man ein Vater is und einen Sohn hat, der zum Barras geht.

ANNA Vaterland?

MAX Na ja, wo mir halt lebn.

ANNA Ach so.

Der stramme Max – Seite 5

MAX Und da braucht es Opfer, damit die andern geschützt sind.

ANNA Die Besten erwischts zuerst, hat mein Vater immer gsagt, wie sein jüngerer Bruder im Krieg blieben ist. (kleine Pause)

MAX (schaut) Na ja, das stimmt auch nicht immer. Ich bin kein Schlechter und leb, oder willst dich beschwere.

ANNA Ich red doch jetzt ned von dir.

MAX Ach so.