Von Wolfgang Hoffmann

Das große Geld lockt, und Finanzminister Hans Matthöfer ist offenbar nicht der Mann, der solchen Versuchungen widersteht. Das größte Unternehmen der Bundesrepublik, die Deutsche Bundespost, muß im kommenden Jahr außer ihren üblichen Abgaben zusätzlich über eine Milliarde Mark an die Staatskasse abliefern – eine im Steuerrecht einmalige Manipulation, Wäre es nach Lothar Späth, dem CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gegangen, wäre die Sondersteuer sogar noch höher ausgefallen. Späth wollte die Post nämlich um runde fünf Milliarden Mark schröpfen.

Die Begehrlichkeit des Staates, die Kasse des eigenen Unternehmens zu plündern, kommt nicht von ungefähr. Die Post schwimmt derart in Geld, daß sich sogar Kurt Gscheidle, der verantwortliche Minister, schämt. Während die Post bisher von ihren Kunden nur nahm, gab sie 1978 zum erstenmal Geld zurück.

Fürs zweite Halbjahr bekamen die 17,5 Millionen Fernsprechteilnehmer fünf von den 32 Mark Grundgebühr, die sie bisher pro Monat zahlen mußten, zurück. Die Dreißig-Mark-Geschenkaktion, rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest abgeschlossen, hat die Post um 500 Millionen Mark erleichtert. Die generelle Herabsetzung der Grundgebühr auf 27 Mark ab J. Januar 1979 wird der Post einen jährlichen Einnahmeausfall in Höhe von einer Milliarde, Mark bringen.

Doch damit nicht genug. Die Post hatte in den letzten Jahren so rücksichtslos zugegriffen, daß der verantwortliche Minister noch mit weiteren milden Gaben Wiedergutmachung üben will: durch Senkung der Telexgebühren, der Feierabendtarife und das Vorziehen des Mondscheintarif an Samstagen auf 14 Uhr. Kostenpunkt: 168 Millionen.

Und rechtzeitig zum Osterfest im neuen Jahr hält Kurt Gscheidle abermals Gutes feil: Vom 1. April 1979 wird das Telephonieren mit dem Ausland billiger. Aufs ganze Jahr bezogen verzichtet die Post damit immerhin auf weitere 300 Millionen Mark, Ist es ohnehin schon ein ungewöhnliches Ereignis, daß staatlich administrierte Preise einmal sinken – in diesem Ausmaß hat es das noch nie gegeben.

Damit steht die Post anders da als der arme Vetter von der Bahn. Während es von der Bundesbahn seit Jahren nur Hiobsbotschaften gibt, vergeht inzwischen kaum noch ein Tag, an dem Kurt Gscheidle nicht Gutes über die Post zu berichten hätte. Mal tiekern seine Fernschreiber die Kunde von – der Anhebung des Höchstgewichts bei Massendrucksachen auf 3000 Gramm, mal verbreiten sie eine Ausweitung der Gebührenerstattung bei beschädigten Postsendungen, versprechen die Einführung des abschaltbaren Telephons früher als geplant oder vermelden als Neuheit den Einsatz des Postboten als "Sozialhelfer" für Rentner und Alte in Not. 69 Einzelmaßnahmen, die der Verbesserungen des Kundenservices dienen, hat die Post in den vergangenen Jahren beschlossen und eingeführt.