Er hätte den Jugendlichen erschießen können. Er hatte ihn über den Schulhof und auf die Straße verfolgt. Sie waren in einem schmalen Durchgang, als der Junge plötzlich anhielt und die Hand in die Tasche steckte. Das war der Moment, in dem sich Floyd Walker, der Polizist, entscheiden mußte.

Er hatte Grand anzunehmen, daß der Junge eine Waffe besaß. Den gezogenen Revolver hielt er auf den Jangen gerichtet. Er hätte ihn dort, in jenem Durchgang, erschießen können.

Aber Walker wollte den Jungen nicht töten. Selbst in diesem kritischen Augenblick war ihm klar, daß die Polizei schon zu viele Leben von Jugendlichen verschwendet hatte. Vielleicht hatte es etwas mit Rasse zu tun. Sowohl der Polizist als auch der Junge varen schwarz."

Eine Leseprobe aus einem Stück Journalismus, der neu ist in New York. Neu zumindest in der zweiten Hälfte dieser Dekade, in der über Probleme wie Rasse und Armut vor allem offiziell und in gemäßigtem Tonfall – geredet wird. Seit den sechziger Jahren, als Amerikas Städte brannten, bemüht man sich im politische Lösungen. (Als nach dem totalen Stromausfall in New York im Sommer 1977 die Gettos Schauplätze wüster Zerstörung waren, wurde das eher als peinlicher Zwischenfall hingestellt.) Die politischen Führer der schwarzen Minderheit frühstücken mit dem Präsidenten, und wenn sie vor dem Betreten des Weißen Hauses ernste Besorgnis äußerten, weil Carter den Verteidigungsetat erhöhen, aber die sozialen Programme kurzen will, kommentieren sie hinterher in Rundfunkmikrophone, der Präsident habe sie angehört und versprochen, seine Entscheidung erst nach sorgfältigem Abwägen aller Möglichkeiten zu treffen.

Zorn und Bitterkeit

Nun kommt also ein Journalist daher, dessen Sprache keine zwei Deutungen zuläßt. Die Daily News, ein bisher nicht gerade für linke Berichterstattung bekanntes Massenblatt, gibt ihm eine regelmäßige Kolumne und kündigt sie sogar auf der ersten Seite an. Earl Caldwell heißt der Autor, er ist schwarz und den Lesern kein Unbekannter. Früher, als er noch bei der New York Times war, schrieb er über die Schwarzen Panther – bis sich das FBI anschickte, die Organisation auszuheben. Caldwell wurde aufgefordert, seine Notizen auszuhändigen; er weigerte sich; die Times ließ ihn fallen. (Für einen weißen Reporter hat sie kürzlich Tausende von Dollars Strafe gezahlt und ihn sogar ins Gefängnis gehen lassen, um seine und aller amerikanischen Medien Pressefreiheit zu verteidigen.)

Jahrelang hörte man nichts von Caldwell. Es hieß, er schreibe an einem Buch über die sechziger Jahre. Dann hieß es, er habe keinen Verleger gefunden. Jetzt hat ihm die Daily News wieder ein Forum, gegeben. Die Prosa ist direkt, ohne eitle Wendungen. Mit ihm glauben viele andere Schwarze, dies sei keine Zeit für überflüssige Worte.