Die Arbeit über den Maler Fidus, die wir vorlegen, holt eine Person ans Tageslicht, die nur noch in der Erinnerung kleiner, esoterischer Zirkel zu existieren schien. Als Künstler ist Fidus in der Öffentlichkeit vergessen, obwohl die Ideen und Ideologien, die er mit seiner Kunst zu verbreiten trachtete, sich in der deutschen Geschichte und mindestens in der bundesrepublikanischen Gegenwart als außerordentlich zählebig erwiesen haben."

Gegenstand der 490 Seiten starken Arbeit der drei Autoren Frecot, Geist und Kerbs ist Hugo Höppener, genannt Fidus, 1868 in Lübeck geboren. Und sein Werk, das seinen Lebensstil und seine Ideologie – Lebensform, Kleiderreform, Vegetarismus, Siedlungsbewegung und Freikörperkultur – ausdrückt, war bis vor kurzem wohl wirklich nur wenigen bekannt. Der Jugendstilkünstler, der Anhänger des Nationalsozialismus und Parteimitglied wurde, starb 1948.

Eine seiner immer wieder neu entworfenen Gestalten ist jedoch nicht in Vergessenheit geraten, sondern Millionen Menschen bekannt: Eine nackte Figur, die, auf dem Gipfel eines Berges stehend, die Arme der Sonne entgegenstreckt, das "Lichtgebet". Diese Gestalt existiert bis heute als Markenzeichen der Hanauer Quarzlampen GmbH Original Hanau.

Im Jahre 1905 war es in der Hanauer Firma W. C. Heraeus dem Physiker Richard Küch gelungen, Quarz zu glasklaren Stücken zu schmelzen. Auf diesem geschmolzenen Quarzglas, das fast unbegrenzt ultraviolette Strahlen durchläßt, wurde die Quarzlampe, hergestellt. Ihr Einsatz als Straßenbeleuchtung, die die 1906 gemeinsam von Heraeus und der AEG gegründete Firma Quarzlampen GmbH erprobte, erwies sich nach acht Jahren als Fehlschlage Einige Passanten hatten durch die ultravioletten Strahlungen Bindehautentzündungen und Hautrötungen bekommen. Obendrein war inzwischen die Metalldrahtlampe erfunden worden.

So suchte die Firma eine andere Verwendung ihrer Erfindung, sie fand sie in der Medizin, In der Schweiz hatten Ärzte die Erfindung gemacht, daß Tuberkulose in der Hochgebirgssonne besonders schnell ausheilte. Da die ultravioletten Strahlungen ihrer Quarzlampe ähnlich hohe Werte hatte, benannte die Firma ihr Produkt "Original Hanau Höhensonne" oder "künstliche Höhensonne". Beide Bezeichnungen wurden 1914 geschützt wie auch ein entsprechendes Bildzeichen.

In den frühen zwanziger Jahren gab der Direktor des Unternehmens, selbst Anhänger der damaligen Reformbewegung, dem Künstler Fidus den Auftrag für die neue Fassung seines "Lichtgebets" – es wurde die neunte. Fidus fertigte auch eine stilisierte Fassung, die als Warenzeichen von der Quarzlampen Gesellschaft beim Reichspatentamt eingetragen wurde.

Die veränderte Fassung, die von 1930 bis 1945 benutzt wurde, zeigt deutlich die Zeichen ihrer Zeit. Der Körper des Jünglings ist athletischer, am Scheitel ist zu erkennen, daß er blond ist.