Beim Absatz von Schaumweinen wird Jahr für Jahr ein neuer Rekord erreicht

Die Bundesbürger", so teilt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eben diesen mit, "lassen den Sekt strömen". Sie seien nicht nur die größten Sekttrinker der Welt, sie steigern auch noch Jahr für Jahr ihren Konsum. Und damit wird auch in diesem Jahr eine neue Rekordmarke fällig werden: Rund 305 bis 308 Millionen Flaschen (je 0,75 Liter), etwa sechs Prozent mehr als 1977.

Im Jahre 1950 lag der Verbrauch noch bei 6,5 Millionen Flaschen, 1970 bei 149,7 Millionen, und seither hat er sich verdoppelt. Daß es bei diesem schönen Trend bleiben wird, das bescheinigt sogar das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung Ifo den Sekttrinkern und Sektkellereien. Von einer sich abzeichnenden Marktsättigung, meinen die Münchner, könne noch nicht gesprochen werden. Dagegen ist der Gesamtverbrauch an industriell gefertigten Getränken – vom Kaffee bis zum Schnaps – rückläufig. 590 Liter trinkt – statistisch betrachtet – jeder Bundesbürger im Jahr.

Bis Ende der achtziger Jahre – so rechnen sich die Sekthersteller aus – wird sich der Konsum von Schaumwein nochmals verdoppeln. Doch im Zuge des zunehmenden Massenumtrunks beginnen sich die deutschen Zungen nach teureren Qualitäten und neuen Geschmacksvarianten umzusehen. Von der steigenden Sektsucht der Deutschen profitieren Importe mehr als deutsche Erzeugnisse, wenn auch die Ausgangsbasis der ausländischen Produkte vergleichsweise niedrig ist. Die Edelfreßwelle schärfte den Geschmack für das passende Getränk.

"Es ist", so erläutert ein Sprecher der Bingener Import-Firma Schneider diesen Trend, "in manchen Kreisen einfach nicht mehr adäquat, deutschen Sekt zu trinken." Dann muß eben ein Champagner her. Die Zielgruppe für das französische Nobelgetränk ist entsprechend breiter geworden.

Seit 1974, dem konjunkturellen Tief im Champagner-Absatz in Deutschland, hat sich der Import mehr als verdoppelt. Vor vier Jahren wurden 1,6 Millionen Flaschen Champagner abgesetzt, 1977 waren es bereits über 3,9 Millionen. Und in den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden 2,5 Millionen Flaschen abgesetzt, immerhin 36 Prozent mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Das letzte, vierte Quartal des Jahres ist nun bei Absatz und Konsum von Schaumwein traditionell das wichtigste. Rund ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes wird in dieser Zeit gemacht.

Über den "stark expansiven Markt" können sich auch die Importeure eines anderen Sekt-Segments freuen. Albert Wolter, Sprecher der italienischen Firma Cinzano: "Seit einigen Jahren hat der Asti Spumante kräftige Zuwachsraten."