Rolf Mainz ist frei. Nach zwei Jahren und zwei Monaten Haft im berüchtigten DDR-Zuchthaus Brandenburg wurde er vor Weihnachten in die Bundesrepublik abgeschoben, von Bonn "freigekauft", wie rund tausend andere auch im Laufe des Jahres 1978.

Sein Verbrechen? Der 41jährige Journalist und Lektor aus Leipzig hatte im Oktober 1976 in der ZEIT einen Artikel geschrieben, in dem er schilderte, wie es einem Bürger in der DDR ergeht, wenn er einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik stellt: Er verliert seine Stellung und wird allenthalben diskriminiert. Der Beitrag hieß: "Berufsverbote in der DDR – Genossen, kommt doch zu uns."

Honeckers Häscher ließen nicht lange auf sich warten. Sie steckten Rolf Mainz ins Gefängnis, zusammen mit seinem Bruder Klaus, der ebenfalls nichts weiter wollte als ausreisen. In zwei Verfahren wurde Rolf Mainz zu insgesamt neuneinhalb Jahren verurteilt. Der übliche Vorwurf: staatsfeindliche Hetze. Ein maßloses Urteil, das jedem Rechtsgefühl Hohn sprach.

Prominente Bürger der Bundesrepublik, Kommunisten aus Italien, exilierte DDR-Bürger setzten sich für die Brüder Mainz ein. Klaus wurde schließlich im Sommer 1978 freigelassen – und jetzt also auch sein Bruder.

Wir freuen uns über die Freilassung von Mainz. Zwar hatten wir den Artikel, der ihn ins Gefängnis brachte, auf seinen uns übermittelten Wunsch gedruckt. Gleichwohl stellte sich damals die Gewissensfrage: Durften wir auf ihn hören? Jetzt ist er wieder frei Es bleibt der Zorn über ein Regime, das einen Bürger einsperrt, nur weil er das natürlichste Recht dieser Welt beansprucht, seine Meinung frei zu äußern und reisen zu können, wohin immer er will. v. K.