In den Tagen um das Weihnachtsfest haben die deutschen Wertpapiermärkte Standfestigkeit bewiesen. Trotz der überraschend kräftig ausgefallenen Ölpreiserhöhung mit ihren Folgen auf den Dollarkurs und trotz des Arbeitskampfes in der Stahlindustrie erwiesen sich die deutschen Aktienkurse – von begrenzten Schwankungen abgesehen – als widerstandsfähig.

Das sagt allerdings über die wirkliche Verfassung des Marktes nur wenig aus, da offensichtlich ein gemeinsames Interesse besteht, mit den jetzigen Kursen einigermaßen heil über die letzten Runden dieses Börsenjahres zu kommen. Dort, wo die Kurse ins Rutschen gerieten, wurde das Angebot auf ermäßigter Basis aufgenommen. Aber mehr auch nicht. Denn niemand scheint an einer Aufstockung der Bestände interessiert zu sein, wohl aber an stabilen Kursen.

Immerhin hat die auf diese Weise erhaltene Widerstandsfähigkeit in einigen Papieren zu (spekulativen) Käufen geführt. Eine Sonderbewegung gab es in den Stamm- und Vorzugsaktien von Pegulan, deren Kurse sich in diesem Jahr verdoppelt haben. Reger Umsatz auch in Veba-Aktien, weil sich bei der Veba die Situation – nun auch für den Außenstehenden erkennbar – deutlich verbessert hat. Zum erstenmal wird selbst im Ölgeschäft wieder Geld verdient. Veba-Aktien sollen auch von Engländern erworben worden sein. Die Empfehlung der Monopolkommission, den Verkauf von Gelsenberg an die BP nicht zu billigen, verursachte bei den Veba-Aktien nur einen vorübergehenden und auch nur kleinen Kurseinbruch, weil man immer noch hofft, daß das Bundeswirtschaftsministerium den Verkauf der Gelsenberg AG billigen wird.

Am Rentenmarkt machten sich schon in den Tagen vor dem Weihnachtsfest die Sanitäter ans Werk. Die Kurse einiger Emissionen, auch Kassen-Obligationen, wurden nach oben gepflegt, um lästige Abschreibungen zu lindern, auf die in diesem Jahr offensichtlich niemand Wert legt. Deshalb besteht große Aussicht, daß sich die heraufgesetzten Notierungen über die Jahreswende verteidigen lassen. Ärgerlich wird es nur dann, falls Großanleger die künstlich heraufmanipulierten Notierungen zum Anlaß nehmen, um sich von Papieren zu entlasten. Schließlich gilt auch hier: Höhere Kurse ja, aber neues Geld dürfen sie nicht kosten.

Es wird schon als ärgerlich genug empfunden, daß die Silvester-Anleihe zu Konditionen auf den Markt gekommen ist, die nach Lage der Dinge bestenfalls als "fast" marktgerecht bezeichnet werden können. Der Januar müßte schon ein ganz besonders ergiebiger Rentenmonat werden, wenn diese Emission echt plaziert werden soll. Die vorangegangene Bundesanleihe liegt mit großen Teilen noch bei den Konsortialinstituten wie so manche andere Emission ausländischer Schuldner, denen man zu günstigen Konditionen eingeräumt hat. Kennzeichnend für die Situation am Rentenmarkt ist, daß der neu aufgelegte Aktien-/Renten-Fonds der Union-Investment-Gesellschaft zunächst am den Rentenerwerb verzichten will. K.W.