Dritte Klasse für billige Sondertarife mit vermindertem Service

Fünftens verspricht die Deutsche Lufthansa ihren Atlantikpassagieren: "Freie Drinks (vom Whisky Sour bis zur Spätlese)." Voraussetzung ist allerdings, daß der Passagier den vollen Passagepreis – gegenwärtig 1872 Mark für die Strecke Frankfurt und zurück – bezahlt hat. Fliegt er für einen der zahlreichen Sondertarife, für die er teilweise nur die Hälfte zu zahlen braucht, so gilt nur Punkt neun der Lufthansa-Versprechen: "71 Flüge pro Woche zwischen Deutschland und den USA."

Was die Lufthansa am 1. Januar einführt, haben andere Fluggesellschaften – allen voran British Airways und PanAm – bereits im Herbst verwirklicht: Sie trennten den Weizen von der Spreu und bieten ihrem wichtigsten Fluggast, dem vollzahlenden Geschäftsreisenden in der Economy-Klasse, Vorteile gegenüber den Billigfliegern.

Die Briten locken mit einem Service im Elisabeth-Stil, der unter anderem Mahlzeiten nach 400 Jahre alten Rezepten bietet, während die Amerikaner keine besonderen Anstrengungen machen, sondern lediglich auf den besseren Kundendienst für Vollzahler verweisen.

Allen Bemühungen um die Geschäftsreisenden gemeinsam ist eine bevorzugte Abfertigung an Sonderschaltern und abgetrennte Abteile in den Flugzeugen. Geschäftsleute, die während des Fluges noch Akten aufarbeiten wollen, sollen dabei nicht durch schreiende Babys und spielende Kinder gestört werden.

Die Trennung wurde notwendig, nachdem die Fluggesellschaften im Sommer dieses Jahres sich bei der Einführung von Sondertarifen – Apex, Budget, Holiday und wie sie alle heißen mögen – unterboten, um sonst leerstehende Sitze in den Flugzeugen zu füllen. Damit nun aber die Geschäftsreisenden nicht zu den Sondertarifen abwandern, weil man ihnen sicher nicht klarmachen kann, warum ausgerechnet sie mehr zahlen sollen als ihr Nachbar, erhalten sie einige der Vergünstigungen, mit denen die Fluggesellschaften sonst in der ersten Klasse aufwarten.

Möglich wurde die Trennung, nachdem das amerikanische Luftfahrtamt CAB das internationale Luftfahrtkartell IATA in die Knie gezwungen hatte und die Fluggesellschaften sich nicht mehr an die dort vereinbarten Konditionen gebunden fühlten. Nach den inzwischen beschlossenen neuen IATA-Regeln können die Gesellschaften nun jede für sich entscheiden, wie sie Kunden anlocken wollen.