Rechtzeitig vor Ende der deutschen EG-Präsidentschaft haben die Neun noch ein sperriges Problem gelöst. Aller Angst vor einer Flut griechischer Agrarprodukte und aller Sorge vor riesigen finanziellen Belastungen zum Trotz einigten sie sich mit Athen über die Bedingungen, zu denen das südosteuropäische Entwicklungsland der Gemeinschaft beitreten wird. Wenn der Rahmen für die Aufnahme nur zweieinhalb Jahre nach dem griechischen Mitgliedsantrag zur Zufriedenheit aller Beteiligten geschaffen werden konnte, dann ist das vor allem Hans-Dietrich Genscher gutzuschreiben. Als Vorsitzender des europäischen Ministerrates orientierte er sich bei den Beitrittsverhandlungen an der Maxime, die allein die Erweiterung des Neuner-Clubs rechtfertigt: Der neuen Demokratie der Griechen sollte zügig und unter Wahrung hellenischer Würde eine Heimstatt in Europa geboten werden.

Mit ihrer schnellen und großzügigen Aufnahmeprozedur haben die Europäer ihre Bilanz vor Jahresende noch einmal aufgepolstert. Zu den Habenposten zählt, trotz vieler Wenn und Aber, auch die Grundsteinlegung für eine europäische Währungszone. Gemeinsam mit dem Ja-Wort für Griechenland belegt der Einstieg in das Währungssystem eine Handlungsfähigkeit, die nicht nur Skeptiker der Gemeinschaft kaum mehr zutrauten.

Der Aufschwung der Neun kommt jedoch nicht zu früh, denn schon im nächsten Sommer muß Europa erstmals einen Wahltest seiner Bürger bestehen. Eine stagnierende oder gar zerbröckelnde Gemeinschaft aber könnte die europäischen Direktwahlen von vornherein zur Farce verurteilen. Es liegt nun an der französischen Regierung, die am 1. Januar die Präsidentschaft von den Deutschen übernimmt, das neue europäische Momentum zu erhalten. Präsident Giscard ist, auch wenn sich die gaullistischen Erben jetzt wieder gegen jeden Fortschritt Europas stemmen, dazu sicher bereit. D. B.