Junge Leute diskutieren über das Erziehungsziel

Unter dem jetzigen Schulsystem haben die Lehrer keine Möglichkeit, die Persönlichkeit jeden Schülers zu bilden. Denn die großen Klassen, die wenigen Unterrichtsstunden und das deshalb nur oberflächliche Kennenlernen zwischen Lehrer und Schüler machen es den Lehrern unmöglich, sich auf jeden Schüler zu konzentrieren und auf seine Probleme einzugehen. Außerdem würde der Unterrichtsstoff in den verschiedenen Fächern vernachlässigt werden und der Schüler damit weniger Wissen haben. Die Lehrer sollen ihre Tätigkeit auf die Vermittlung von Wissen beschränken – die Erziehung zum Menschen ist Aufgabe der Eltern.

Irene Henke, 16 Jahre

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Wozu in den letzten Schuljahren soviel unnützes Zeug auswendig lernen, wenn man doch nicht weiß, was man später damit anfangen soll? Um sich beim Lehrer einzuschmeicheln? Oder um gute Noten zu bekommen im Hinblick auf den Numerus clausus? Fächer wie Philosophie, Psychologie und Moral sind wichtiger, weil sie dem Jugendlichen helfen, sich ein Bild von sich selbst und von der Welt zu machen. Wenn man erst einmal ‚weiß, was die Welt verlangt und was man selbst erreichen will, ist es noch immer Zeit, sich in ein spezielles und interessantes Gebiet zu vertiefen. Aus dem persönlichen Interesse sieht man dann, was man braucht und was man noch zu lernen hat. Lehrer sollten also die Schüler mehr auf das spätere Leben vorbereiten, ihnen beibringen, selbständig zu werden und ihre eigenen Interessen zu wecken, statt wild drauflos zu pauken. Ilsegret Messerknecht, 19 Jahre

Es ist wirklich beängstigend, wie viele Schüler zwar fähig sind, mathematische Gleichungen zu lösen, chemische Formeln zu lernen, zwischen Kapital und Arbeit zu unterscheiden, aber unfähig, ihre Mitschüler (ihren späteren Nachbarn?) anzusprechen. Von der Fähigkeit zum Helfen, zur Fairneß und zur Solidarität ganz zu schweigen. Es fragt sich, wie eine Gesellschaft beschaffen ist, die es nicht für nötig hält, mit ihrer wichtigsten pädagogischen Institution solche Fähigkeiten und Werte zu vermitteln. Die "neue Innerlichkeit" der Jugend ist kein Symptom eines neuen Individualismus, wie viele Erwachsene glauben, sondern ein Zeichen der Desorientierung und der Hilflosigkeit.

Thomas Blum, 17 Jahre