Charterflüge, oft die preiswertesten aller Fernreise-Möglichkeiten, sind bei deutschen Veranstaltern und Urlaubern beliebter denn je. Doch die Preisbrecher werden von den Liniengesellschalten mit Rückendeckung der Regierungsstellen zunehmend attackiert. Die Düsseldorfer LTU ist das jüngste Opfer.

Die Euphorie ist hin. Noch im Spätsommer hatte Ernst Ahrens, Chef der Düsseldorfer Charterfluggesellschaft LTU, seinen Streckenplan um eine profitversprechende Route ergänzt: Ab Dezember sollte wöchentlich eine seiner rotweißen "Tri-Stars" nach Curaçao in der Karibik jetten. Dort warteten sofortige Anschlüsse nach Mittel- und Südamerika.

Jetzt wurde die Werbung für das "mühevoll zusammengebaute Karibik-Programm"; (Ahrens) vorläufig eingestellt. Denn das Bundesverkehrsministerium hat die Ausfluggenehmigung für die LTU widerrufen. Lediglich die ersten beiden Starts am 18. und 25. Dezember wurden gestattet.

"Gern haben wir diesen Rückschritt nicht gemacht", heißt es in Bonn. Doch den Ministerialen blieb keine Wahl: Das Außenministerium Venezuelas hatte die Landerechte der Lufthansa in Caracas für den Fall gestrichen, daß die LTU ihren Curaçao-Charter aufnimmt. Begründung: Dadurch sei das Geschäft der venezolanischen "Viasa" auf der Strecke Caracas–Europa gefährdet.

Schlüssig erschien selbst den Bonnern dieses Argument nicht.-Doch die Lufthansa übte zusätzlichen Druck auf das Ministerium aus. "Ohne die Landung in Caracas bricht unsere ganze Flugroute nach Bogota, Lima und Guayaquil zusammen", fürchtet LH-Sprecher Kai Eichstädt. Um den Linienprofit nicht zu gefährden, mußten die Bonner also die LTU zurückpfeifen.

LTU-Ahrens ging daraufhin; vor das Verwaltungsgericht. Denn die angebliche Sorge der Viasa entbehrt jeder Grundlage, da Caracas gar nicht im Anschlußprogramm der Düsseldorfer enthalten ist. Ahrens sieht aber in Wirklichkeit auch ganz andere Gründe für das Veto Venezuelas: Die niederländische KLM, Poolpartner der Viasa, befürchtet nach eigenem Bekunden, daß ihre Landsleute und potentiellen Kunden lieber preiswert über Düsseldorf zum Verwandten- oder Geschäftsbesuch auf die Niederländischen Antillen fliegen.

Das Außenministerium in Caracas war, so vermutet Ahrens, nur der verlängerte Arm der Holländer. Und auch die Lufthansa dürfte am Scheitern der LTU-Pläne durchaus interessiert sein, sind doch auch ihre Ziele Lima und Guayaquil mit Düsseldorfer Chartertickets für rund die Hälfte des Linienpreises von etwa 3000 bis 3700 Mark zu erreichen.

Ahrens will deshalb für seine neue Route weiterkämpfen, "notfalls bis zum höchsten Gericht". Denn das Luftverkehrsrecht, das eine "Beeinträchtigung von Linienfluggesellschaften" verbietet, ist längst durch Widersprüchliche Urteile durchlöchert. Der indirekten Hilfe aus dem Verkehrsministerium ist er sicher. Denn auch dort hat man die offensichtlichen Hintergründe der venezianischen Drohung durchschaut und warst: "Wenn unsere Bemühungen schiefgehen, und wir die LTU-Flüge nach Curaçao endgültig verbieten müssen, dann prüfen wir die Landerechte der KLM hier in Deutschland." Klaus J. Busch