Unterirdische Labyrinthe, tosende Bäche, riesige, dunkle Hallen, die der schwache Schein der Karbidlampe nicht auszuleuchten vermag. Bergsteigen unter Tage, Kraxeln über Felstrümmer, Waten durch nassen, kalten Schlamm, die stete Gefahr, sich etwas zu brechen oder vom plötzlich steigenden Wasser eingeschlossen zu werden – Höhlenforschung, eines der letzten Abenteuer unserer Zeit.

Schon wenige Meter hinter dem Höhlenportal beginnt die Einsamkeit; hier ist der wagemutige Forscher ganz auf sich, seine Mitarbeiter und sein Gerät angewiesen. Keine Nachricht, keine Radiowelle durchdringt die Felsmassen. Und doch ist die Außenwelt stets gegenwärtig: Plötzliche Regenfälle oder einsetzendes Tauwetter draußen können ein Rinnsal in der Höhle innerhalb von Minuten zum reißenden, unüberwindlichen Fluß anschwellen lassen. Ob sich der Höhlenforscher durch Engpässe windet, mit einigen Kilogrammen Gepäck auf dem Rücken wassergefüllte Syphons durchschwimmt, ob er sich in der froststarrenden Dunkelheit einer Eishöhle vorwärtstastet oder sich gar, in voller Taucherausrüstung, den Weg in eine wasserspeiende Quellhöhle gegen die Strömungskraft eines ganzen Flusses erkämpft – stets lockt die Neugier, das nächste Hindernis zu überwinden, zu sehen, ob sich der Spalt zu einer Halle weitet, ob die Mühe mit dem Anblick eines Märchenwaldes aus Tropfsteinen belohnt wird.

Die Höhlen sind eine Welt für sich, mit eigenem Klima, eigenen Tieren und Pflanzen, eigenen Gesetzen. Sie sind lebende Gebilde; Wasser erweitert die Gänge; Felsbrocken fallen von der Decke; die Tropfsteine wachsen, Tropfen um Tropfen, kalkabscheidend aufeinander zu. Gleichzeitig ist die Höhle ein Museum, sie bewahrt Dinge der Vergangenheit, Knochen des Vorzeitmenschen ebenso wie seine Malereien. Und in den Jahresringen der Tropfsteine sind die Klimaschwankungen wie in einem Buch aufgezeichnet.

Einen Höhlenbesuch kann heute dank der vielen gut ausgebauten Schauhöhlen jeder genießen. Der Besucher wandelt gefahrlos auf den Spuren der früheren Höhlenforscher, geht ausgebaute, zementierte, elektrisch beleuchtete Wege und Treppen, wo sich jene mühsam durch Geröll und Schlamm den Weg bahnen und mit Kletterhaken steile Wände bezwingen mußten. Er durchläuft in zwei Stunden, wozu sie Tage brauchten. Und er wird ohne Verzögerung zu den schönsten Stellen der Höhle geführt, an den gefährlich grollenden unterirdischen Wasserfall, an den klaren, kühlen, stillen Höhlensee, an die kreisrunden Sinterbecken, zu den farbenprächtigen Tropfsteinen und Sintervorhängen. Immer mehr Höhlen werden für den Touristen erschlossen, und die bekannten Schauhöhlen melden steigende Besucherzahlen.

Schon zu Hause, vor Antritt der Urlaubsreise, sollte man sich über die sehenswerten Höhlen auf der Reiseroute informieren und die Besichtigung zeitlich einplanen. Eine Auswahl der sehenswertesten Höhlen enthält, das Buch:

Karl Thein: Die schönsten Höhlen Europas. 160 Seiten mit 90 Abbildungen; Bruckmann Verlag, München, 46 DM.

Der Verfasser, ein bekannter Höhlenkundler, beschreibt jede Höhle seiner Auswahl ausführlich, er erzählt von ihrer Entstehung und Entdeckung, schildert die schönsten Teile und informiert über Anfahrtswege, Öffnungszeiten und Führungsdauer. Zu einigen Höhlen wird der Grundriß abgebildet. Die Höhlenkunde wird gestreift, Fachausdrücke werden erklärt. Vorzügliche Aufnahmen, zum Teil in Farbe, ergänzen den Text.