Sie hat wirklich viel hinter sich, die zierliche Meerjungfrau in der Hafeneinfahrt von Kopenhagen. Eine Zeitlang war sie kopflos, rohe Gesellen hatten ihr das Bronzehaupt abgesägt und entwendet. Farbwütige "Verschönerungsaktionen" hat sie bereits mehrfach mit skandinavischer Gelassenheit ertragen. Wer wie die kleine Jungfer nahezu jede Nacht von Besuchern umschmeichelt wird (sie ist ein beliebtes Ziel für Mondscheintouren), bleibt auch kühl gegenüber jenen Witzbolden, denen die Statue als Objekt meist fader Scherze dient. Das Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt feiert jetzt Geburtstag: 65 Jahre hat es auf dem grazil gekrümmten Buckel. Edward Eriksen schuf sie 1913 nach einer Märchenfigur von Andersen. Die Meermaid, der man ihren neuen Kopf nicht anmerkt, ist nun also in das Pensionsalter gekommen. Aufs Altenteil kommt sie aber gewiß noch nicht, denn die Kopenhagener machen ein gutes Geschäft mit ihr. Und überdies lieben sie ihre "Kleine", auch wenn sie nicht Fisch und nicht Fleisch ist.