Die Ankündigung fiel gerade noch passend in die Adventszeit: Es kommt ein Schiff geflogen – sein Name ist Skylab. Irgendwann zwischen Mitte 1979 und Mitte 1980 fällt es auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind. Wahrscheinlich genau zu Silvester. Das wäre ein Knaller.

Über das Metaphysische an diesem Vorgang braucht man wohl kein Wort zu verlieren. Die Weltraumtiefe Symbolik erschließt sich leicht jedem, der noch einen Sinn für das Höhere hat – und wer hätte den nicht, zumal in diesen Tagen, wo wir besonders empfänglich sind für alles, was da kommt vom Himmel hoch.

Doch sie reicht ja weit über Weihnachten hinaus, die schöne Bescherung, die da über unseren Köpfen im Räume kreist: 82 Tonnen bestes Material in feinster Verarbeitung aus dem Hause Nasa. Und unser verständliches irdisches Interesse konzentriert sich auf die Frage: Bekommen wir etwas ab davon? Und wenn ja: wann, wie und wo? Dabei sollten wir uns hüten, allzu erwartungsfroher Stimmung nachzugeben. Freuen wir uns nicht zu früh: Es kann auch sein, daß das Ganze ins Wasser fällt.

Die Wissenschaftler äußern sich zu Skylab merkwürdig unpräzise. Offensichtlich haben sie die Sache nicht mehr im Griff. Dies zu erfahren, war ein ziemlicher Schock für uns, die wir bisher in das Wissen und Können der Steuerleute des himmlischen Fernverkehrs schier grenzenloses Vertrauen gesetzt haben. Wie oft haben wir ihnen nicht schon zum Frühstück vor einem wieder einmal nicht wunschgemäß gebräunten Toast Komplimente gemacht: Einen gescheiten Brotröster können sie nicht bauen, aber zum Mond fliegen, das können sie!

Kurz und gut: Ob Skylab ein richtiger Volltreffer wird, das können wir nur hoffen. Es steht in den Sternen. Streng unwissenschaftlich gesehen, hat unter allen Unwägbarkeiten der Termin Silvester noch den höchsten Grad an Wahrscheinlichkeit für sich, weil es dann eh am meisten knallt. Aber schon beim Versuch der Ortsbestimmung geraten wir auf unsicheres Terrain. Zu zwei Dritteln nämlich führt die Umlaufbahn von Skylab – zwischen dem jeweils fünfzigsten Grad nördlicher und südlicher Breite – über die Ozeane unseres Globus (was alle Hoffnungen nördlich der Mainlinie von vornherein ausschließt). Ins restliche Drittel quetschen sich die Vereinigten Staaten von Amerika, fast ganz Südamerika, Afrika, der Nahe Osten, Indien, Südostasien, China, die südliche Sowjetunion und Australien. Bei allen Experten der Nasa: Wie soll das Ding da jemals Land treffen?

Doch selbst wenn der nach Meinung der Raumfahrt-Koryphäen unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, daß dieses Himmelsgeschenk von einer Raumstation tatsächlich nicht irgendwo in den Tiefen der Weltmeere versinkt, wäre damit noch nicht viel gewannen. Denn die Fracht kommt nicht unversengt durch die Atmosphäre. Wahrscheinlich wird sich der große Brocken auflösen in kleinere – so etwa zwischen 25 Tonnen und einigen hundert Kilogramm Gewicht. Und davon hat man dann auf der Erde ja nicht mehr viel. Um allen Illusionen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß täglich (täglich!) 1400 Tonnen Staub und Steine auf unseren Planeten niedergehen. Hat man jemals etwas davon gesehen? Entscheidend ist eben: Wieviel davon kommt am Stück?

Die Techniker der Nasa wollen versuchen, dem Glück ein bißchen nachzuhelfen. Kurz vor dem Eintauchen von Skylab in die Erdatmosphäre werden sie das Aufschlagsgebiet einigermaßen genau vorhersagen können. Dann heißt es aufpassen, ein bißchen Platz schaffen, damit es uns nicht unvorbereitet trifft.