Ein Mann hatte Zahnschmerzen und ging deshalb zum Zahnarzt. Bei der Behandlung stellte sich heraus, daß eine größere Gebißregulierung erforderlich sein würde. Der Zahnarzt behandelte zunächst nur den schmerzenden Zahn und bestellte den Patienten zu einem neuen Termin in der Woche darauf, um dann – wie er sagte – gründlicher vorzugehen.

Der Patient erschien nicht zum verabredeten Zeitpunkt und sagte auch nicht ab. Nach kurzer Zeit erhielt er vom Zahnarzt eine Rechnung über 120 Mark für den ausgefallenen Termin. Auf seine Rückfrage: teilte ihm die Sprechstundenhilfe mit, an diesem Nachmittag seien eineinhalb Stunden für ihn reserviert gewesen: "Wenn Sie nicht rechtzeitig absagen und auch nicht kommen, dann müssen Sie zahlen; auf dem Terminzettel steht das ja auch."

Der Patient kramte den Zettel hervor und las: "Wichtige Mitteilung! Unsere Praxis wird nach dem Bestellsystem geführt. Das bedeutet, daß für Sie keine (oder fast keine) Wartezeiten entstehen, weil wir in der reservierten Zeit vollauf und in Ruhe zu Ihrer Verfügung stehen. Das bedeutet aber auch, daß Sie, wenn Sie den vereinbarten Termin nicht einhalten können, spätestens einen Tag vorher absagen müssen, da sonst die ungenutzte Zeit in Rechnung gestellt werden muß (GOÄ 24/2c)."

Ein Anruf bei der Krankenkasse ergab, was der Patient schon gefürchtet hatte: "Solche Kosten ersetzen wir nicht", sagte die zuständige Sachbearbeiterin.

Derartige Wartekosten kommen vor allem bei Ärzten vor, die zugunsten eines bestimmten Patienten fest über eine gewisse Zeitspanne disponieren, bei Psychoanalytikern beispielsweise, gelegentlich auch bei Internisten und eben bei Zahnärzten. Die Ärzte stützen ihren Zahlungsanspruch auf die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), und zwar auf Ziffer 24, Buchstabe c der "Allgemeinen Bestimmungen". Danach darf für einen "Zeitverlust, der dadurch entsteht, daß ein Kranker nicht zu der mit dem Arzt vereinbarten Zeit erscheint" eine "Verweilgebühr" berechnet werden.

Klar ist allerdings in aller Regel, daß die Kassen für solche auf der Nachlässigkeit des Patienten beruhenden Kosten nicht aufkommen. Für privat Versicherte ergibt sich das normalerweise schon aus dem Versicherungsvertrag, für Ersatzkassenpatienten hat das Bundessozialgericht schon vor Jahren entschieden, "daß die Versichertengemeinschaft nicht für Leistungsstörungen einzustehen hat, die in den persönlichen Verantwortungsbereich des einzelnen Versicherten fallen", und daß deshalb das vergebliche Warten eines Zahnarztes kein ersatzfähiger "Heilaufwand" ist. In aller Regel müssen die Kosten für einen versäumten Arzttermin deshalb, vom Patienten selbst getragen werden.

Wie hoch diese Kosten sein dürfen, ist eine andere Frage. Die Gebührenordnung der Ärzte bestimmt als Verweilgebühr tagsüber mindestens fünf, höchstens fünfzehn Mark für jede angefangene halbe Stunde. Der Zahnarzt in unserem Beispiel hätte danach also insgesamt höchstens 45 Mark für die freigehaltenen eineinhalb Stunden berechnen dürfen.