Von Henri Regnier

Henri Regnier ist seit 1953 beim Norddeutschen Rundfunk als „Unterhaltungsmann“. Gegen Ende der fünfziger Jahre wurde er das, was heute Hauptabteilungsleiter heißt, seit etwa 1960 hat er neben dem Hörfunk eine Femseh-Unterhaltungsredaktion (aber, wie verwirrend auch immer, der Hauptabteilungsleiter für die Unterhaltung im Fernsehen beim NDR heißt Harald Vock). Regnier ist, wie viele Radio- und Fernsehleute, durch Zufall zu diesem Geschäft gekommen, nur eben viel früher als die meisten anderen (weswegen viele, sagt er, glaubten, er könne es besser als andere). Wir haben ihn gebeten, über den Quizmaster, Entertainer, Conferencier und Rundfunk-Blödelmeister (als der er womöglich am besten, ganz gewiß aber der beste gewesen ist, souverän im Umgang mit dem Witz des Absurden wie mit den technischen Mitteln des Metiers, ihn dramatisch in Hör-Szene zu bringen): über Peter Frankenfeld, der am 4. Januar, 65 Jahre alt, in Hamburg gestorben ist. Henri Regnier mochte es zuerst nicht am sich nehmen, einen Nachruf auf jemanden zu schreiben, den er so lange und so gut kannte. Schließlich schien es ihm möglich, wenn er einem ZEIT-Freunde statt dessen einen Brief schreibt.

Lieber Ben,

sorry – aber ich kann wirklich keinen Nachruf auf Frankenfeld schreiben. Ein einziges Mal in meinem Leben habe ich einen Nachruf geschrieben, und da es für den Rundfunk war, auch noch selbst gesprochen. Es war ein Nachruf auf den allerersten deutschen Rundfunk-Entertainer nach dem Krieg, auf Just Scheu. Peter Frankenfeld war ein scharfer Konkurrent von Scheu. Die beiden waren so etwas wie Ideal-Feinde. Meinen Scheu-Nachruf haben mir viele als Schleimscheißerei übelgenommen. Wohl zu Recht; ich hatte mit der in solchen Fällen oft geübten gedankenlosen Lobhudelei, dem Katalog; seiner enormen Vorzüge und Stärken, aus dem Dahingeschiedenen einen Über-Menschen – in Wahrheit also einen Un-Menschen – gemacht. Ich habe ihn nachträglich um Wesentliches gebracht, nämlich um seine Persönlichkeit. Das wird mir nicht noch einmal passieren. Darum also leider kein Nachruf auf Peter Frankenfeld.

Außerdem: was ist denn einem öffentlichen Liebling – Leuten ab 45 vielleicht sogar ein Idol – nachzurufen? Einem Mann, der nichts weiter getan hat, als die Mehrzahl des Publikums zu erfreuen? Und so ein Nachruf auch noch von einem, der sozusagen von Amts wegen mit fast allen Mitteln die Zustimmung der Mehrzahl für seine Arbeit anstreben muß? Das könnte doch nur das Übliche sein. Denn, wissen Sie, in diesem Job „Unterhaltung“ braucht jeder jeden und alle brauchen die Zustimmung des Publikums. Da kann doch keiner so verrückt sein und einem Kumpel, in dessen Sonne er zeitweilig mitgestanden hat, auch nur ein winziges Zäcklein aus dem Krönchen zu brechen. Das Publikum will lupenreine Diamanten. Auch als Souvenir. Darum also leider kein Nachruf auf Peter Frankenfeld.

Wenn Sie sich mit ein paar privaten und sehr subjektiven Bemerkungen zufriedengeben, bitte sehr:

Ich habe mit P. F. nur relativ kurze Zeit direkt zusammengearbeitet. Begonnen hatte er im Abendprogramm des Fernsehens in Hamburg – kein Zufall, denn Fernsehen begann ja in Hamburg – mit der Serie „1:0 für Sie“ Ende der fünfziger Jahre. Damals wurde Fernsehen ganz anders gemacht als heute, und es war ohne weiteres möglich, so eine schwierige Livesendung alle vierzehn Tage auf die Beine zu stellen. (Sozusagen aus dem Stand, mit einem relativ winzigen Team und – in puncto Produktionszeit – blitzschnell.)