Von Gerhard Prause

Exil kommt vom lateinischen Exsilium, wörtlich "Hinausspringen". Im antiken Rom bedeutete Exsilium ursprünglich das freiwillige Verlassen des römischen Staatsgebietes, um sich einer Verurteilung zu entziehen. Später wurde es zur gerichtlichen Strafe der Verbannung. Im Lauf der Geschichte sind unzählige Menschen ins Exil verbannt worden (oder freiwillig gegangen), meist aus religiösen oder politischen Gründen.

Viele von ihnen verloren dabei ihren gesamten Besitz, wie zum Beispiel Aristoteles, Albert Einstein, Thomas Mann; oder litten im Ausland finanzielle Not, wie (jedenfalls zeitweise) Richard Wagner, Marx und Lenin. Oder waren vogelfrei wie Dante, der Dichter der "Göttlichen Komödie". Oder wurden weiterhin verfolgt wie Trotzki, dem es nichts half, daß er seine Unterkunft in Mexiko zu einer Art Festung ausbaute; im zwölften Jahr seines Exils wurde er dort von einem Agenten der sowjetischen Geheimpolizei mit einem Eispickel erschlagen.

Verglichen mit diesen und anderen Verbannten und Emigranten ist es Monarchen in ihrem Exil meist sehr viel angenehmer ergangen. Oft war das eine Folge ihres ursprünglichen Reichtums, der ihnen erlaubte, rechtzeitig für Fluchtburgen außerhalb des Landes zu sorgen und Geld auf ausländische Banken zu überweisen. Es hing aber auch mit ihrem "Gottesgnadentum" zusammen, das sie zu "Auserwählten" machte. Denn fast immer sorgten die noch herrschenden Auserwählten dafür, daß ihre gestürzten Standesgenossen, mit denen sie meist ja verwandt waren, im Exil nicht nur nicht Not leiden mußten, sondern weiterhin einigermaßen standesgemäß leben konnten. So stellte zum Beispiel Ludwig XIV. von Frankreich, der "Sonnenkönig", dem 1688 von Englands Thron gejagten Jakob II. und dessen Familie sein Schloß Saint-Germain bei Paris als Wohnsitz zur Verfügung und zahlte ihm eine monatliche Pension von 40 000 bis 50 000 Francs und 50 000 Skudi.

Napoleon schluckte Gift

Nach dem Willen der verbündeten europäischen Könige von Gottes Gnaden sollte auch Napoleon nach seiner (ersten) Abdankung ein gutes und gesichertes Auskommen haben, obwohl er ganz Europa durcheinandergewirbelt hatte und obwohl er selber sein Kaisertum nicht als "von Gottes Gnaden" auffaßte; doch war er durch seine zweite Ehe (mit Marie-Louise) Verwandter des österreichischen Kaiserhauses. Im April 1814 verzichtete er für sich und seine Erben auf den Thron von Frankreich und den von Italien. Er behielt den Kaisertitel, und es wurde ihm die Insel Elba als unabhängiges Fürstentum sowie ein jährliches Einkommen von zwei Millionen Francs für sich und die Ex-Kaiserin zugesprochen.

Dieses Geld war für persönliche Belange; für die Entlohnung der ihn begleitenden Offiziere standen noch einmal zwei Millionen Francs zur Verfügung. Seine Verwandten sollten aus den Ländern, auf die sie verzichteten, zusammen jährlich zweieinhalb Millionen Francs erhalten. (Zum Vergleich: Napoleons Erster Kammerdiener bezog ein Jahresgehalt von 6000 Francs und erhielt außerdem ein jährliches Kleidergeld von 2000 Francs. Napoleons Erster. Leibarzt bezog ein Jahresgehalt von 30 000 Francs, erhielt außerdem jedoch noch Gratifikationen.)